Emotionale Vernachlässigung: Der Junge, der wie ein Hund gehalten wurde (Buchrezension)

Dieses Buch entdeckte ich im Katalog des Kösel-Verlag als Vorankündigung. Erst kürzlich ist es erschienen und freundlicherweise hat es mir der Verlag zur Verfügung gestellt, so daß ich es auich hier vorstellen kann.

'Der Junge, der wie ein Hund gehalten wurde', so heißt es. Der Untertitel lautet 'Was traumatisierte Kinder uns über Leid, Liebe und Heilung lehren können.' Ein kleiner blonder, traurig und leicht nach unten blickender Junge, der an einer Wand lehnt, ist auf dem Foto des ansonsten in frischem Grüntürkis gehaltenen Cover des gebundenen Buchs zu sehen.

Bruce D. Perry nimmt seine Leser in diesem von ihm und der Journalistin Maia Szalavitz verfaßten Buch mit an die Orte, an denen seine Patientinnen und Patienten aufwuchsen, mißbraucht, körperlich und seelisch mißhandelt oder extrem vernachlässigt wurden. Er erzählt dabei auch die Lebensgeschichte ihrer Eltern. Gleichzeitg läßt er Anteil daran haben, wie er mit genauen Untersuchungen des Gehirns der kleinen Patientinnen und Patienten und Schwierigkeiten, mit denen sie zu ihm in Behandlung gebracht wurden, einen für sie ganz individuellen Behandlungsplan aufstellt.

Weit mehr als das, so erfährt der Leser, was genau den kleinen und auch teils jugendlichen

Der Junge, der wie ein Hund gehalten wurde: Bruce D. Perry u. Maia Szalavitz, Kösel, 2008

Patientinnen und Patienten hilft um wieder oder überhaupt ins Leben zu finden. Schritt für Schritt, mit geduldiger und liebevoller und ebenso stetiger wie gleichmäßiger Therapie. Dazu erklärt Bruce D. Perry im Buch folgendes zur Entwicklung und Formbarkeit des menschlichen Gehirns, auf der er seine Behandlungsschritte je nach indivuduellem tatsächlichen Entwicklungsstand aufbaut:

    Die einzelnen Funktionen des menschlichen Gehirns entwickeln sich nacheinander in etwa der gleichen Reihenfolge, in der seine Regionen im Laufe der Evolution entstanden sind. Die primitivsten, zentralen Areale entwickeln sich, mit dem Hirnstamm beginnend, als Erstes. Wenn ein Kind heranwächst, macht jede folgende Hirnregion (vom Zentrum zum Kortex) ihrerseits wiederum wichtige Veränderungen und Wachstum. Um sich jedoch angemessen zu entwickeln, braucht jedes Hirnareal zur richtigen Zeit musterartige, sich wiederholende Erfahrungen. (Bruce D. Perry, Maia Szalavitz, 2008, Kösel)

Diese musterartigen, sich wiederholenden Erfahrungen, die er als Bestandteil der jeweils individuell zusammengestellten therapeutischen Behandlung einsetzt können mitunter ungewöhnlich aussehen im. In einem Fall beschreibt er eine junge selbst in ihrer Kindheit vernachlässigte Mutter, Virginia mit ihrer kleinenvierjährigen Tochter Laura, die eigentlich seine Patientin ist. Mit deren Einverständnis überzeugt er Virginia zusammen mit der vierjährigen Laura bei Mama P. einzuziehen.



Von Mama P., wie Bruce. D. Perry noch mehrfach erzählen wird, hat er für die Behandlung seiner kleinen Patienten etwas Wesentliches gerlernt, auch entgegen der derzeit herrschenden Lehrmeinung. Sie ist eine Pflegemutter, die regelmäßig Kinder zu sich aufnimmt und so auch zuweilen zu der Klinik kommt, wor er selbst arbeitet. Sie begegnet den Kindern instinktiv und sicher dort, wo sie in ihrer Entwicklung tatsächlich stehen, auch wenn diese Jahre vom chronologischen Alter abweicht. Unbeeirrbar umsorgt sie die ihr anvertrauten Kindern mit aller erdenklicher Liebe und Zuwendung. So kommen auch Laura und ihre junge Mutter Virginia zu ihr ins Haus und leben bei ihr. Und auch Virginia kann in dem Jahr einiges aufholen, was ihr früher nie möglich war.





Der Klappentext: Wunderbar erzählte, faszinierende Fallgeschichten voller Mitgefühl, tiefer Einsicht und Hoffnung: Der Kinderpsychiater Dr. Burce D. Perry berichtet von zehn seiner kleinen Patienten und ihrem Weg zurück ins Leben. Dabei wird Perrys feinfühliger und innovativer Behandlungsansatz ebenso sichtbar wie die erstaunliche Fähigkeit des Gehirns zur Heilung: »Beziehung ist das, was Veränderung bewirkt. Die stärkste Therapie ist menschliche Liebe.«



»Es ist gut, dass die Hirnforscher in den letzten Jahren zeigen konnten, wie tief frühe traumatische Erfahrungen im Gehirn verankert sind. Aber es ist noch viel wichtiger zu wissen, dass diese Auswirkungen überwunden werden können und dass es Wege gibt, traumatisierten Kindern zu helfen, wieder glückliche Kinder zu werden. Genau das zeigt Bruce D. Perry in seinem Mut machenden Buch.« Prof. Dr. Gerald Hüther, Hirnforscher und Neurobiologe



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Monika Kreusel

Zuletzt aktualisiert am 19.07.2008

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