Dachverband Dialektisch Behaviorale Therapie e.V.

Suizidprävention ~ Informationen über DBT-Skills für Polizeibeamte ~ www.blumenwiesen.org ~ Monika Kreusel

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Als Beamtinnen und Beamte der Polizei kommen Sie regelmäßig in Situationen, in denen Sie zu Einsätzen gerufen werden, bei der Menschen, die unter einer Borderline-Persönlichkeitsstörung oder einer Dissoziativen Identitätsstörung leiden, akut suizidal sind.

Ein hoher Anteil von Betroffenen einer Borderline-Störung sind bereits seit früher Kindheit komplex traumatisiert, wie durch sexuellen Missbrauch, körperliche Misshandlung oder auch extreme seelische Vernachlässigung. Bei Menschen, die unter einer Dissoziativen Identitätsstörung leiden, ist diese Anteil noch höher. Nahezu alle multiplen Persönlichkeiten, also Betroffenen dieser schweren komplexen dissoziativen Störung sind schwerst und anhaltend traumatisiert, weshalb die Dissoziative Identitätsstörung eine Traumafolgestörung darstellt. Jedoch leidet ein sehr hoher Anteil multipler Persönlichkeiten gleichzeitig auch unter einer Persönlichkeitsstörung. Nicht selten ist dies eine Borderline-Persönlichkeitsstörung, aber keineswegs immer oder überwiegend. Allerdings gibt es hinsichtlich verschiedener Symptome Überschneidungen und Gemeinsamkeiten mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung wie Selbstverletzungen oder Suizidversuche sowie logischerweise eine Störung der Identität und schwere dissoziative Symptome. Mehr dazu finden Sie weiter unten.

Borderline-Persönlichkeitsstörung

Im Mittelpunkt der Borderline-Persönlichkeitsstörung steht eine anhaltende emotionale Instabilität, weshalb sie von der WHO als 'Emotional instabile Persönlichkeitsstörung Borderline Typ' (F 60.31) bezeichnet wird.

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist daher vor allem eine Störung der Emotionsregulation. Die Betroffenen geraten immer wieder in Zustände für sie plötzlicher und schnell hochschießender unerträglicher innerer Hochspannung, die sie meist keiner bestimmten Emotion zuordnen können. Ein hoher Anteil von ihnen reagiert darauf mit selbstverletzendem Verhalten (SVV), um diesem aversiven Zustand möglichst schnell ein Ende zu setzen. Das hat sich für sie als kurfristig erfolgreich erwiesen, langfristig ist es jedoch schädlich. Weitere selbstschädigende Verhaltensweisen mit dem Ziel, unerträgliche Hochspannung kurzfristig zu beenden, können sein:

  • Substanzmissbrauch:

    - Alkohol (auch auf Flatratepartys oder anderen "Saufpartys" etc.)
    - Drogen (Opiate, Partydrogen wie Ecstasy, Amphetamine etc.)
    - Medikamente (z.B. "Benzos" wie Lorazepam oder "Flunis")
    - Mischkonsum (alles durcheinander (Alkohol, Drogen und "Pillen"), "alles was knallt")


  • Ess-Störungen:

    - Magersucht (Anorexia Nervosa)
    - Bulimie ("Fressanfälle" mit anschließendem Erbrechen)
    - Binge-Eating ("Fressanfälle")


  • Geld ausgeben ("Kaufrausch" in Geschäften oder im Internet) bzw. Kaufsucht


  • Stehlen bzw. Kleptomanie


  • Impulsiv selbstschädigendes Sexualverhalten:

    - Promiskuität, insbesondere ohne dabei auf 'Safer Sex' zu achten
    - Gruppensex
    - Ungeschützten Sex mit HIV-positiven Partnern
    - Prostitution, insbesondere ohne sicheren Rahmen etc.
    - mit Unbekannten aus dem Internet


  • Hochrisikoverhalten:

    - auf Brückengeländern balancieren
    - auf Bahngleisen spazieren
    - riskanter Fahrstil


  • Fremdagressives Verhalten:

    - heftige Wutausbrüche
    - Prügeleien (das betrifft auch Frauen)


  • weitere mögliche impulsive Verhaltensweisen:

    - sich immer wieder spontan piercen lassen
    - sich immer wieder tätovieren lassen

Ein weiterer Grund für selbstschädigende Verhaltensweisen kann auch ein Gefühl der inneren Taubheit (Numbness) und Leere sein.

Für die Diagnose einer Borderline-Persönlichkeitsstörung gibt es 9 Kriterien. Es gibt kein Symptom dieser Störung, dass ausschließlich nur bei dieser Störung vorkommt. Wesentlich ist vielmehr die sepzifische Kombination möglicher Symptome. Es müssen für das Stellen einer solchen Diagnose mindestens 5 Kriterien erfüllt sein. Das bedeutet beispielsweise, dass nicht alle Betroffenen sich selbst verletzen und umgekehrt bedeuten selbstverletzendes Verhalten oder Suizidalität nicht zwangsläufig das Vorhandensein einer Borderline-Persönlichkeitsstörung. Dies sind auch Verhaltensweisen, die bei Menschen vorkommen, die unter einer Dissoziativen Identitätsstörung vorkommen.

    (1) Verzweifeltes Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden.

    (2) Ein Muster instabiler, aber intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen den Extremen der Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist.

    (3) Identitätsstörung, d. h. ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung.

    (4) Impulsivität in mindestens zwei potentiell selbstschädigenden Aktivitäten (z.B. Geldausgeben, Sexualität, Substanzmissbrauch, rücksichtsloses Fahren, Essanfälle).

    (5) Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen oder -drohungen oder Selbstverletzungsverhalten.

    (6) Affektive Instabilität infolge einer ausgeprägten Reaktivität der Stimmung.

    (7) Chronisches Gefühle von Leere.

    (8) Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, Wut oder Ärger zu kontrollieren.

    (9) Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome.


Diese Merkmale der Borderline-Persönlichkeitsstörung können auch aufgeteilt werden in 5 verschiedene Störungsbereiche, die zusammenwirken:

1. Störungen der Emotionsregulation:

  • Stimmungsschwankungen
  • Schwierigkeiten, Gefühle zu steuern

2. Störungen des Denkens:

  • Dissoziationen (Verzerrung von Zeit-, Raum- und Körperwahrnehmung)
  • Flashbacks (Wiedererleben von traumatischen Erinnerungen)
  • Pseudohalluzinationen (Illusionen, die als Täuschung erkannt werden)
  • Paranoides Denken (Gefühl, verfolgt zu werden)
  • Negative Grundannahmen (schlechte Meinung von sich selbst haben)

3. Störungen der Identität:

  • Gefühle von Unsicherheit, Fremdheit und Ekel im Umgang mit sich selbst und dem eigenen Körper
  • Das Gefühl, „anders“ zu sein, als alle anderen
  • Unsicherheit bezüglich Zukunftszielen, der eigenen Meinung, wichtiger Entscheidungen und Alltagsentscheidungen.

4. Störungen im zwischenmenschlichen Bereich:

  • Intensive und instabile Beziehungen
  • Ein Wechsel zwischen Idealisierung und Abwertung
  • Schwierigkeiten, allein zu sein
  • Angst davor, verlassen zu werden und Angst vor Nähe

5. Störungen auf der Verhaltensebene:

  • Impulsive und potentiell selbstschädigende Verhaltensweisen
  • Hochrisikoverhalten

Selbstschädigungen wie auch das selbstverletzende Verhalten (SVV) sind nicht zu verwechseln mit akuter Suizidalität, jedoch besteht bei Borderline-Betroffenen ein erhöhtes Suizidrisiko, insbesondere dann, wenn sie keine störungsspezifische Therapie machen. In Momenten akuter Suizidalität besteht bei Borderline-Betroffenen ebenso eine innere Hochspannung, die unerträglich für sie ist. Sie sind dann zu diesem Zeitpunkt also 'in ihrem Gefühl gefangen', nicht zugänglich für rationale Argumente, da dieser Teil des Gehirns durch die innere Hochspannung vorübergehend blockiert ist. Es empfiehlt sich dann sofort Notfall-Skills wie beispielsweise Ammoniak-Lavendel-Riechampullen anzubieten und ggf. auch darauf zu beharren.

Dissoziative Identitätsstörung

Die Dissoziative Identitätsstörung ist die Störung, die der multiplen Persönlichkeit zugrunde liegt. Von der WHO wird sie innerhalb der ICD 10 noch immer als Multiple Persönlichkeitsstörung (F 44.81) bezeichnet, gebräuchlich ist jedoch allemein die Diagnose Dissoziative Identitätsstörung.

Bei der Dissoziativen Identitätsstörung handelt es sich zum einen um eine komplexe dissoziative Störung sowie um die schwerste Form der strukturellen Dissoziation der Persönlichkeit. Wer multipel ist, leidet unter einem individuellen 'Gesamtpaket' schwerer dissoziativer Symptome sowie unter einer erheblichen Anzahl weiterer Symptome und zusätzlicher, d. h. komorbider psychischer Störungen. Dazu zählt in der Regel auch eine Persönlichkeitsstörung.

Bisher sind dies die Kriterien der Dissoziativen Identitätsstörung nach DSM IV:


  • Die Anwesenheit von zwei oder mehr unterscheidbaren Identitäten oder Persönlichkeitszuständen (jeweils mit einem eigenen, relativ überdauernden Muster der Wahrnehmung von, der Beziehung zur und dem Denken über die Umgebung und das Selbst)


  • Mindestens zwei dieser Identitäten oder Persönlichkeitszustände übernehmen wiederholt die Kontrolle über das Verhalten der Person.


  • eine Unfähigkeit, sich an wichtige persönliche Informationen zu erinnern, die zu umnfassend ist, um durch gewöhnliche Vergesslichkeit erklärt zu werden.


  • Die Störung geht nicht auf die direkte Wirkung einer Substanz (z.B. Black-outs oder ungeordnetes Verhalten während einer Alkoholintoxikation) oder eines medizinischen Krankheitsfaktors zurück (z.B. komplex-partielle Anfälle).

Beachte: Bei Kindern sind die Symptome nicht durch imaginative Spielkameraden oder andere Phantasiespiele zu erklären.

(Gast, Ursula; Die Dissoziative Identitätsstörung (DIS), in: Traumazentrierte Psychotherapie, Ulrich Sachsse (Hrsg.), Schattauer, 2004, 1. Auflage


Dialektisch Behaviorale Therapie

Die Dialektisch Behaviorale Therapie (DBT) der Borderline-Persönlichkeitsstörung nach Marsha Linehan bietet sogenannte Skills, die beipielsweise helfen sofort unerträgliche Spannungszustände zu beenden. Stresstoleranzskills werden zunehmend auch in der Behandlung von Menschen, die eine Dissoziative Identitätsstörung haben, eingesetzt und sind und den Betroffenen daher nicht selten bekannt.

Was in der Kindheit eine wichtige und hilfreiche Überlebensstrategie war, wird im Leben als Jugendliche oder Erwachsene zu einem ernsthaften Problem. Es wäre zu einfach zu sagen, das einzige Problem dieser schwer traumatisierten Menschen sei die Dissoziation. Sie werden gequält von schrecklichen Erinnerungen, intensiven Emotionen (insb. Borderline-Betroffene), schwierigen und instabilen Beziehungen, die zu Trennungen führen können, die ganz besonders für Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung, aber oft nicht minder für multiple Persönlichkeiten, unerträglich sein können.

Es gibt sicher Einsätze, bei denen Ihnen bekannt ist oder wird, daß der akut suizidgefährdete Mensch, zu dem Sie gerufen werden, sei es durch Angehörige, Nachbarn oder andere Personen, unter einer der beiden Störungen leidet. Bitte denken Sie dann daran, was Sie hier gelesen haben. Wünschenswert wäre es, wenn es in der Ausbildung oder in Fortbildungen dazugehören würde, wie man Menschen schnell helfen kann, die unter einer Borderline-Persönlichkeitsstörung oder auch einer Dissoziativen Identitätsstörung leiden. Natürlich ist damit die Suizidalität an sich nicht gänzlich behoben oder eine Einweisung in eine Klinik nicht notwendig. Vielleicht wäre es auch denkbar, wenn Sie für die erste Hilfe standardmäßig Ammoniak Lavendel Riechampullen mit sich führen in ihren Einsatzwagen. Ein gleiches gilt für Rettungssanitäter.

Mögliche Stresstoleranz-Skills für akute Krisensituationen aus der Dialektisch Behavioralen Therapie sind:

Notfall-Skills bei einer Anspannung ab 70 % und mehr
  • Ammoniak Lavendel Riechampullen*, zum Riechen
  • getrocknete Chilischoten
  • Wasabi (grüner Meerettich für Sushi) essen
  • Sambal Oelek essen (scharfe Chilisauce aus Asien)
  • Vitamin- oder Brausetabletten (ohne runterzuschlucken)
  • Kaugummis (mit intensivem Pfefferminzgeschmack z.B.)
  • Japanisches Heilpflanzenöl, zum Riechen (gibt es sehr günstig in Drogeriemärkten)
  • Gummi für's Handgelenk (daran ziehen und loslassen)
  • scharfe Bonbons ( z.B. Fischermen Friends)
  • Coolpack (auf die Haut legen)
  • extra scharfer Senf (zum Essen oder Riechen)
  • Chiliweingummis (aus dem Bärenland)
  • kaltes Wasser über die Unterarme laufen lassen
  • harter Igelball


Informationen zu den Ammoniak Lavendel Riechampullen

Bewährt haben sich oft Ammoniak Lavendel Riechampullen, die einen starken sensorischen Reiz auslösen und somit helfen können, einen solchen Zustand innerer Hochspannung soweit herunterzuregulieren, dass die Betroffenen in der Lage sind, sich rationalen Argumenten zu öffnen und dementsprechend ein Gespräch führen können. In einer akuten Krise ist möglicherweise der Gebrauch mehrerer Skills nacheinander notwendig, um nicht schnell wieder in den Hochspannungszustand zurückzufallen. Dies wird in der DBT als Skills-Kette bezeichnet.

Nun, wozu sind diese Ammoniak Lavendel Riechampullen gut und wie werden sie überhaupt angewendet?

Angewendet werden sie folgendermassen, wie es die Krankenschwester und DBT-Co-Therapeutin Dian Tara Zinner beschreibt:


Eine Ammoniak Lavendel Riechampulle wird in der Hand geschüttelt und aufgebrochen. Durch das übergezogene Netz wird die Verletzungsgefahr gemindert. Der starke Geruch soll erden und den Betroffenen aus dem Gefühls-/Gedankenchaos holen. (Dian Tara Zinner, 2009)


Auch wenn der Inhalt nicht allein aus Ammoniak besteht, so ist der Geruch sehr unangenehm, ja ausgesprochen intensiv und beissend. In der Regel ist es notwendig, sich eine solche Ampulle eine Weile unter die Nase zu halten und mehrfach daran zu riechen. Die Wirkung als Notfall-Skill beruht darauf, dass in den beschrieben Zuständen aversiver innerer Hochspannung im Gehirn Areale vorübergehend blockiert sind bei den Betroffenen, die für logisches Denken zuständig sind. Das bedeutet natürlich keineswegs, dass sie in solchen akuten Krisensituationen 'dumm' wären. Sie befinden sich vielmehr in einem Gefühlschaos, die Gedanken springen durcheinander. Diese Hochspannung kann meist von den Betroffenen keinem bestimmten Gefühl zugeordnet werden. Die Verwendung der Ammoniak Lavendel Riechampullen durchbricht diesen unerträglichen Zustand recht schnell. Das trifft auch auf andere Notfall-Skills zu, die starke sensorische Reize auslösen. Bei den Chilischoten ist es der Inhaltsstoff Caspaicin, der über das Schmecken den sensorischen Reiz auslöst. Wer jedoch regelmäßig und gerne Chili isst, kann mit diesem Skill im Notfall nicht wirklich etwas anfangen, weil es dann einfach keine solche intensive Wirkung erreichen würde. Notfallskills müssen im ersten Moment unangenehm sein.

Die Ammoniak Lavendel Riechampullen sind apothekenpflichtig und werden ausschließlich vom Hersteller Devesa produziert. Eine Schachtel enthält jeweils 10 Ampullen. (Bild folgt bald)

Die Spannungskurve...was die Prozentangaben in der DBT bedeuten

Wie oben zu lesen, leiden insbesondere Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung unter plötzlich aufschießenden und aversiven hohen Anspannungszuständen, die sie bislang mit Selbstverletzungen oder auch schädlichen impulsiven Verhaltensweisen kurzfristig beenden. Diese dysfunktionalen Verhaltensmuster werden von den Betroffenen ab einem Grad eingesetzt, wenn die Hochspannung für sie unerträglich wird. In der Dialektisch Behavioralen Therapie lernen sie nicht schädliche Alternativen auszuprobieren, zu trainieren und dann erfolgreich einzusetzen. Dabei lernen sie anhand der Spannungskurve auch, den Grad ihrer momentanen Anspannung überhaupt einzuschätzen und zu definieren.

Die Spannungskurve vermittelt auch, bei welchem Grad der Anspannung sie welche Fertigkeiten aus den einzelnen Modulen üben und einsetzen können. Chrakteristisch für die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist, dass die Anspannung wie oben beschrieben schnell und für die Betroffenen plötzlich nach oben geht. Jedoch sinkt sie nur langsam zum Ausgansniveau zurück. Jeder Mensch erlebt hin und wieder auch vergleichbare Momente, wo die Nerven zum Zerreissen gespannt sind. Borderline-Betroffene jedoch erleben dies sehr oft und kommen schwer wieder 'runter'. Sie sind einem Wechselbad ihrer eigenen Gefühle ausgesetzt, die sie nur schwer einordnen können, wenn sie sich in Hochstressphasen befinden. Oder aber sie erleben sich plötzlich in einer völligen inneren Leere, einem Gefühl der inneren Taubheit (Numbness).

DBT Spannungskurve
© Monika Kreusel ~ www.blumenwiesen.org ~ 13.01.2009

Ab einer Anspannung von 70 bis 100 % helfen nur noch die oben genannten oder auch andere nicht schädliche Notfallskills, um die Anspannung seit herunter zu regulieren, dass unterhalb der 70 % Emotionsregulations-Skills eingesetzt werden können. Daher ist es ratsam, der Skills-Kette für akute Krisen auch solche für die Emotionsregulation einzufügen, um nicht bald wieder auf 70-100% zu sein. Denn auch das würde enorme Kraft kosten auf Dauer.

Zu den Emotionsregulations-Skills gehören beispielsweise positive Erfahrungen, die selbst und bewusst verwirklicht werden. Es ist sicher leicht verstehbar, dass dies in einer akuten Krise oder Hochstressphase nicht realisierbar ist, weil die Betroffenen in solchen Situationen 'in ihrem Gefühl stecken'. Das ist für sie unerträglich und da wollen sie verständlicherweise schnellstmöglich 'raus', die Gedanken richten sich ab 70 % nur noch genau darauf: 'Das muss aufhören, sofort! Sonst raste ich völlig aus! Ich kann das nicht mehr ertragen!' Genau ab diesem Punkt dienen die Notfallskills als Alternative und Rettungsanker, wo bislang Rasierklingen benutzt wurden oder was auch sonst kurzfristig half. In der DBT gibt es den sogenannten Notfallkoffer und da wird dann beispielsweise zu den oben beschriebenen Ammoniak Lavendel Riechampullen gegriffen, nach Chilischoten, Igelbällen oder, was sonst hilft. Nicht allen Betroffenen helfen alle Skills gleichermassen. Das müssen sie auch nicht. Der Notfallkoffer sollte nur einige Skills beinhalten, die schnell zur Hand sind.

Empfohlene Links zum Thema

=> Dachverband Dialektisch Behaviorale Therapie e.V.

=> Tagesklinik Psychotherapie für Patienten mit Persönlichkeitsstörung (insbes. Borderline)

=> Dr. Michael Armbrust (Medizinisch-Psychosomatische Klinik Bad Bramstedt)

=> Behavioral Tech, Marsha Linehan (englisch)

=> Dr. med. Khalid Murafi, Facharzt für Kinder- und Jugenpsychiatrie, Psychotherapie

=> Dipl.-Psych. Michaela Huber ~ Expertin für dissoziative Störungen und Traumatherapie

=> GRENZPOSTen e.V. ~ Borderline-Selbsthilfezeitschrift

=> Borderline-Netzwerk e.V.

=> Bärenland ~ Dort gibt es Chiliweingummis (Red Hot Chili Peppers)


Empfohlene und verwendete Literatur

Die 9 diagnostischen Kriterien der Borderline-Persönlichkeitsstörung sowie die Auflistung der 5 Störungsbereiche sind wörtlich übernommen aus der 'Skills-CD' für Betroffene und dem dazugehörigen Manual für Fachleute.

Manual: Interaktives SkillsTraining für Borderline-Patienten; Martin Bohus, Martina Wolf; Schattauer Verlag, 2009; S. 46-47

Skills-CD: Interaktives SkillsTraining für Borderline-Patienten; Martin Bohus, Martina Wolf, Schattauer Verlag, 2009
'Infoblatt: Hintergründe und Fakten 2' sowie 'Infoblatt: Hintergründe und Fakten 3'


Das interaktive SkillsTraining für Borderline-Patienten

Die 'Skills-CD' für Betroffene

Martin Bohus, Martina Wolf; Schattauer Verlag, 2009,
29,95 EUR [D], ISBN 978-3-7945-5141-5


Die hier wiedergegebenen 9 diagnostischen Kriterien und deren Einteilung in 5 Störungsbereiche findest du innnerhalb der Skills-CD auf folgenden Infoblättern:

Infoblatt: Hintergründe und Fakten 2 (ib_H2.pdf)
Störungen in 5 Bereichen

Infoblatt: Hintergründe und Fakten 3 (ib_H3.pdf)
9 diagnostische Kriterien



Bohus, Martin: Borderline-Störung, Hogrefe, 2002

Knuf, Andreas (Hrsg.): Leben auf der Grenze, Erfahrungen mit Borderline, balance buch + medien, 2007

Kreisman, Jerold J.; Straus, Hal: Zerrissen zwischen Extremen. Leben mit einer Borderline-Störung. Hilfen für Betroffene und Angehörige, Goldmann, 2008

Kröger, Christoph; Unckel, Christine (Hrsg.): Borderline-Störung, Wie mir die dialektisch-behaviorale Therapie geholfen hat, Hogrefe, 2006

Liebers, Verena: Das Schattenmädchen, Salon Literatur Verlag, 2003

Linehan, Marsha: Dialektisch Behaviorale Therapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung, CIP-Medien, 1996

Linehan, Marsha: Trainingsmanual zur Dialektisch Behavioralen Therapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung, CIP-Medien, 1996

Putnam, Frank W.: Diagnose und Behandlung der Dissoziativen Identitätsstörung, Junfermann, 2003

Sendera, Alice; Sendera Martina: skills-training bei borderline- und posttraumatischer belastungsstörung, mit zusätzlicher CD (Arbeitsmaterialien), Springer Wien New York, 2007

Stern, Adriana: Hannah und die Anderen,2. Auflage, ariadne, Argument Verlag, 2005

van der Hart, Onno; Nijenhuis, Ellert R.S.; Steele, Kathy: Das verfolgte Selbst, Strukturelle Dissoziation. Die Behandlung chronischer Traumatisierung, Junfermann, 2008

Zinner, Dian Tara: Behandlung von Borderline-Patienten, in: Neurologie und Psychiatrie für Pflegeberufe; 10. Auflage, Walter F. Haupt, Kurt Alphons Jochheim, Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank (Hrsg.); Thieme, 2009, S. 470-478

Flyer zum Ausdrucken

=> Flyer zu www.blumenwiesen.org

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=> Regelmäßige Treffen, Austausch und Informationen für Fachleute verschiedener Berufe



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Zuletzt aktualisiert am 15.03.2010

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