Eigenschaften wie mangelnde Geselligkeit und Mißtrauen sowie Symptome wie beispielsweise ausgeprägte soziale Angst, soziale Isolation und wenig enge Freunde lassen kaum annehmen, es handle sich bei den Betroffenen um sonderlich liebenswürdige Menschen.

Menschen mit einer Schizotypischen Persönlichkeitsstörung sind sehr empfindsam und leicht verletzbar (Rudi Merod, 2005, S. 328), rufen mit ihren Eigenarten und ihrem Wesen Ablehnung oder gar Wut bei anderen hervor, die sie nicht verstehen und auch nicht verstehen wollen (Volker Faust, Psychosoziale Gesundheit). Zwar vermitteln die Kriterien wenig Schmeichelhaftes, aber es gibt auch freundlichere Beschreibungen schizotypischer Menschen:

    Sie zeichnen sich durch eine hohe Sensibilität aus und haben einen sechsten Sinn für Gefahr. Des Weiteren suchen sie Wärme, sind treu, ursprünglich, gutherzig und weich (Rudi Merod, 2005, S. 328).

Rudi Merod (2005) ermöglicht so ein recht anderes Bild der Störung, was die Betroffenen weitaus menschlicher und realistischer erscheinen läßt, da er sie eben als Ganzes darstellt, nicht reduziert auf ihre erheblichen Probleme mit engen Beziehungen und anderen schwerwiegenden Symptomen wie beispielsweise kognitiven Verzerrungen.

Er zeichnet damit ein Bild von empfindsamen Menschen, die leicht verletzbar sind und die zwar, wennauch ungewollt sehr isoliert leben und darunter sehr leiden sowie mangelnde Fähigkeiten zu engen Beziehungen haben.

    Darüberhinaus hat der schizotypische Mensch typischerweise den Wunsch, soziale Beziehungen einzugehen, und leidet daher stark unter der sozialen Isolation (Rudi Merod, 2005, S. 345).

So sehr sie sich auch Wärme wünschen und an Beziehung absolut interessiert sind (Khalid Murafi, persönliche Mitteilung), so große Schwierigkeiten haben sie, überhaupt in anderen Menschen in Kontakt zu treten. Die Anwesenheit mehrerer oder gar vieler Menschen können sie als sehr bedrückend empfinden (Peter Fiedler, 2000, S. 197). Peter Fiedler zitiert aus dem Brief einer jungen Kunststudentin, die mitten im Examen steht:

    "Der Umgang mit anderen Menschen fällt mir immer schwerer. Ihre Nähe ist mir unerträglich. Das passt mir gar nicht, da ich mich mit den anderen zusammen eigentlich intensiv auf die Prüfung vorbereiten müßte..." (Peter Fiedler, 2000, S. 197)

So sind die Betroffenen im Grunde gutherzige Menschen, die sehr empfindsam sind und sich Beziehungen und Freunde wünschen, dies aber nicht realisieren können und die Nähe anderer Menschen, besonders in belastenden Situationen nur schwer aushalten können.

Da schizotypische Menschen nicht selten in ihrer Kindheit schweren sexuellen und körperlichen Mißhandlungen sowie Vernachlässigung ausgesetzt waren und demütigender Kontrolle, schützen sie sich auch mit dem Rückzug und so wird auch ihr lebhaftes Mißtrauen verständlicher. Besser als Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung können sie ihre Wut kontrollieren (Lorna Smith Benjamin, 2001).

Für Lorna Smith Benjamin sind Menschen mit einer Schizotypischen Persönlichkeitsstörung aufgrund ihrer Strategien besonders gefährdet Opfer von Mißhandlungen zu werden. Als Ursachen dafür sieht sie die Beherrschung der Wut, die Exentrik, die Ängstlichkeit sowie die Nachlässigkeit sich selbst gegenüber. Sie haben die erlebte Vernachlässigung internalisiert und vernachlässigen sich nun selbst (Lorna Smith Benjamin, 2001, S. 493).

Die Kontrolle der Wut ist also einerseits durchaus etwas positives, hat für die Betroffenen jedoch auch erhebliche Schattenseiten. Ebenso das Mißtrauen und der Rückzug. Versteht man die traumatischen und demütigenden Erfahrungen nicht weniger Betroffener, so wird dieser Zwiespalt verständlicher.

Oft sind schizotypische Menschen künstlerisch begabt und suchen sich entsprechende Berufe (Peter Fiedler, 2000, S. 36). Ihre Eigenarten und ihre Kreativität können sie möglicherweise produktiv nutzen und ihr Interesse für Gesellschaft, Kultur und wissenschaftlichen Fortschritt einsetzen und verwirklichen:

    Oder auch hier in wenigen Worten: Schizotypische Eigenheiten müssen nicht grundsätzlich behindernd, befremdend, belastend,. quälend oder gar zerstörerisch sein. Sie können auch einer fruchtbaren Kreativität zum Durchbruch verhelfen, nicht zuletzt durch den kräftesparenden Rückzug in und zu sich selber - im Interesse von Gesellschaft, Kultur und wissenschaftlichem Fortschritt. Ob das dann auch dem Betroffenen voll zugute kommt, bleibt eine andere Frage. Möglicherweise hätte er persönlich mehr vom Leben, wenn er erfolgreich und "normal" kontaktfähig wäre (Volker Faust, Psychosoziale Gesundheit).

Uns ist es als Betroffene ein Anliegen, schizotypische Menschen als Menschen mit tiefen Gefühlen, Sensibilität, Kreativität, Treue und Gutmütigkeit darzustellen- und vor allem als Menschen. Nicht ausschließlich als seltsame Sonderlinge, wie sie sonst zuweilen beschrieben werden.

Literatur:
Fiedler, Peter; Integrative Psychoherapie der Persönlichkeitsstörungen, 2000, Hogrefe
Merod, Rudi; Schizotype Störung - eine Persönlichkeitsstörung?, in : Behandlung von Persönlichkeitsstörungen, Merod, Rudi (Hrsg.), 2005, DGVT Verlag
Smith Benjamin, Lorna; Die Interpersonelle Diagnose und Behandlung von Persönlichkeitsstörungen, 2001, CIP-Medien

Internet:
Faust, Volker; Schizotypische Persönlichkeitsstörung, www.psychosoziale-gesundheit.net/schizotyp.html

Persönliche Mitteilungen:
Dr. med. Khalid Murafi ist Ärztlicher Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie Hamm.

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Schizotypie



Monika Kreusel

Zuletzt aktualisiert am 16.07.2006

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