Diese beschreibung wird in nächster Zeit gründlich überarbeitet.

Menschen, die unter einer Schizotypischen Persönlichkeitsstörung bzw. Schizotypie leiden, sind besonders sensitiv und leiden vor allem unter ausgeprägter sozialer Angst, Einsamkeit und Isolation, Mißtrauen anderen gegenüber und haben meist kaum oder nur wenige enge Freunde und erhebliche Schwierigkeiten im Eingehen enger Beziehungen. Wir meinen, die sehr hohe Sensitivität steht im Vordergrund und die Symptome sind mehr oder minder der Versuch, das Anderssein und die Empfindsamkeit zu bewältigen. Wolfgang Klages (1991) hierzu über den sensiblen Menschen:

    Mit sensiblen Menschen wird man im Alltagsleben wie in Klinik und Praxis immer wieder konfrontiert. Diese Gruppe von Menschen leidet oft unter ihrer Mentalität sehr und sucht aus dieser für sie selbst belastenden Eigenart oft ausgefallene Fluchtformen. (S.1)

Aber wenn es um ungewöhnliche Wahrnehmungen oder Erfahrungen geht, ist die ahnungsvoll-sensible Persönlichkeit oder die Schizotypische Persönlichkeitsstörung ein direkter möglicher Ausdruck der hohen Sensitivität und es ist genau zu differenzieren, was nun wirklich krank und beängstigend z.B. für die Betroffenen selbst ist oder was noch in den Bereich des Persönlichkeitsstils fällt.

Es ist oft eine Unsicherheit Fremden gegenüber sichtbar, die auch nach längerer Zeit nicht vergeht und es bestehen Schwierigkeiten, sich ungezwungen zu unterhalten sowie ein mit ihrer besonderen Tiefgründigkeit verbundene Abneigung gegen einfaches Herumalbern und Oberflächlichkeit oder auch Heuchelei und Falschheit. Dies geht über ein gewöhnliches Maß an Schüchternheit weit hinaus und es können enorme Hemmungen bestehen, die im Inneren erlebten Gefühle nach außen mitzuteilen, sichtbar werden zu lassen. Schizotype neigen zu häufigem Grübeln mit der Schwierigkeit, dem innerlich etwas entgegenzuhalten. Diese Grübeleien, die ihrerseits auch einen unter Umständen hohen Leidensdruck hervorufen, können oft sexueller, agressiver oder dysmorphober ( wereinfacht gesagt, Angst häßlich zu sein)Inhalte sein. Die bei diesen Menschen besonders in zwischenmenschlichen Bereichen gegebene Unsicherheit, die ja auch durch von diese bestätigenden enttäuschenden Erfahrungen wesentlich mitbedingt wird, läßt dies verständlicher werden. Hinzu kommt, daß wegen der erlebten Enttäuschungen, eventuell traumatischer Erlebnisse und, weil man auf einer emotionalen und auch vor allem nonverbalen Ebene tatsächlich oftmals nicht verstanden oder regelmäßig mißverstanden wird, im Voraus persönliche Treffen mehr durchdacht werden, als dies der Sache hilfreich ist, was wiederum einerseits bewirkt, daß man verkrampft zu Verabredungen erscheint. Oder aber man verabredet sich erst gar nicht. Tritt den aktiven Rückzug an, wenn man diesen nicht schon jahrelang pflegt. Intensiv erlebte sexuelle Bedürfnisse können somit auch oftmals nicht umgesetzt und realisiert werden. Problematisch ist dabei auch wiederum die äußerlich distanziert erscheinende Wirkung und das sehr rege Mißtrauen, das durchaus aus realen, ggf. traumatischen Erfahrungen und aus dem gewohnten Frust der Unerreichbarkeit bzw. der offenen Ablehnung herühren kann, die vor allem Unsicherheit spürbar werden läßt. Durch bereits häufig wiederkehrende Zurückweisungen und dagegen aber auch eventueller Traumatisierungen verbringt man daher logischerweise mehr Zeit damit, zu überlegen, wie die Beziehungen, die man sich intensiv wünscht, nun dennoch erreicht werden könnten, was wiederum durch ein kognitives Muster von bestimmten automatischen Gedanken wie u.B. "Ich habe Fehler." (Beck u. Freemann) oder treffender gesagt weiteres Grübeln verstärkt und aufrecht erhalten wird. Das ist ein wirklich unglückseliger Kreislauf !

Dazu gehört wie dies auch bei schizoiden Menschen so ist, nur daß diese dabei eher desinteressiert wirken und sich mehr passiv zurückziehen (Peter Fiedler) eine Angst davor, durch andere Menschen und ihrem Verhalten innerlich zu Schaden zu kommen oder umgekehrt, die Angst und unter Umständen auch die mangelnde Kompetenz, andere Menschen, denen man gerne nah sein möchte für sich zu gewinnen. Also einerseits die Angst vor Auflösung durch eine bedrohliche und unter Umständen tatsächliche Schädigung, aber entgegengesetzt gleichzeitig die Unerreichbarkeit der ersehnten Nähe und Beziehung. Gleichzeitig kann oft ein Sich-nicht-liebenswert-fühlen-können erlebt werden. Leider führt dies, ausgesprochen eher zu offener Ablehnung oder gar Wut als zu Verständis. Im DSM IV ist zu lesen (S.725), daß Personen mit schizotypischer Persönlichkeitsstörung zwar ihre Unzufriedenheit über fehlende Freundschaften äußern könnten, aber ihr Verhalten ein vermindertes Bedürfnis nach intimen Kontakten zeige. Die Betroffenen können sehr wohl ein intensives Bedürfnis zu Nähe zu einzelnen Menschen empfinden und verbal äußern. Trotzdem wirken sie auf nonverbnaler Ebene nicht oder wenig sichtbar interessiert, sondern ja oft distanziert und kühl. Und sie bevorzugen eher wenige enge Kontakte.

Gerd Rudolf nennt dieses Muster die schizoide Verarbeitung des depressiven Grundkonflikts und bezeichnet diese Beziehungsstörung als eine Form der chronisch intentional kommunikativen Störungen, also nicht im Rahmen einer Darstellung eines Schizotypie-Konzepts an sich. Er verwendet Begriffe wie schizoide Syndrome (S.106,1977), wenngleich hier wohl die Rede von dem sein düfte, was heute am ehesten in der Schizotypie zu finden ist. Dabei kann es äußerlich zu einer gefühlsarmen, distanzierten, kühlen oder auch sonderbaren Fassade kommen, die sich darüberhinaus in einem mangelnden emotionalen Gehalt der Stimme niederschlagen kann. Auch, den Kriterien nach jedenfalls, fallen schizotpe Menschen regelmäßig, aber nicht immer, durch einen nachlässigen, exzentrischen oder sonderbaren Kleidungsstil auf, der die Hemmung in ihrer Wirkung noch unterstreichen kann. Wir meinen aber, es ist zu unterscheiden zwischen wirklich Sonderbarem und Eigenwilligkeit. Denn einen eigenen Stil zu haben, kann oder sollte man nicht bereitwillig als symptomatisch einordnen oder pathologisieren. Auch hier mag dies wieder wie bei den außersinnlichen Erfahrungen auch mit eine Frage der Toleranz sein. Es trifft vor allem auch nicht auf alle Betroffenen zu.

Dieses distanzierte und scheinbar kühle Auftreten und Wirken ist wie bereits gesagt aber irreführend, wenn man bedenkt, daß durchaus im Inneren intensiv erlebte Gefühle und Wünsche oder gar sprichwörtliche Gefühlsstürme nicht wirklich nach "draußen" gebracht und glaubhaft gemacht werden können. Im Alltag wird den Betroffenen leider zu oft Absicht unterstellt oder unter Umständen Gefühlskälte und Gleichgültigkeit. Diese Schwierigkeit wird in den gängigen Kriterien, meinen wir, nicht deutlich genug erfaßt, sondern mehr nach dem rein äußeren Eindruck und der kann hierbei sehr leicht täuschen ! Die beschriebene Kontaktstörung kann auf bestimmte Lebensbereiche beschränkt sein. Diese Schwierigkeiten können vorwiegend dispositionell veranlagt sein und davon wird ja bei schizotypen Menschen in Europa eher ausgegangen. Oder es kann aber hierbei sehr wohl sein, daß durch schwere sehr frühe Traumata und auch seelische Deprivation, die auch u.u. mit gleichzeitiger Reizüberflutung verbunden sein kann bestimmte Entwicklungsstufen empfindlich beeinträchtigt werden können und zum Beispiel auch dadurch eine bereits vorhandene Empfindsamkeit ungünstig nachhaltig verstärkt werden.

Insgesamt können schizothyme und schizotypische Menschen, auch je nach Ausprägung in ihrem Denken außerordentlich differenziert, aber auch starr und unnachgiebig sein und können auch über ein hohes Maß an Selbstreflektionsfähigkeit bzw.Introspektionsfähigkeit verfügen. Das muß aber nicht so sein. Beobachtbar sein kann bei schwerer schizotypischen Menschen oder bei anderen verstärkt unter hoher Belastung eine weitschweifige, vage oder umständliche Ausdrucksweise. Allerdings kann eine hohe Differenzierungsfähigkeit und Vorliebe für Genauigkeit auch zu einem gewissen Maß an Länge und Komplexität in Erzählungen oder anderem führen. Das kann zwar in zwischenmenschlichen Bereichen dazu führen, daß manchen anderen Personen aus dem sozialen Umfeld der oder die jenige jenachdem komplizierter erscheint, jedoch sollte hier nach unserer Ansicht eine vorschnelle Pathologisierung von Eigenarten und hierbei auch besonderen Kompetenzen unbedingt vermieden werden.

Es kann zu Beziehungsideen kommen, zumindest unter Belastung, die jedoch keinen Beziehungswahn, wie bei einer Schizophrenie möglich, erkennen lassen. Das bedeutet, zumindest unter hoher Belastung, daß das Verhalten anderer Menschen aus dem Umfeld beispielsweise in bezug zu sich selbst zumindest gedanklich erwogen werden oder aber vermutet und weniger in bezug zu deren eigenem Erleben. Das kann bedeuten, daß man meint, andere Leute in einem Lokal oder auf der Straße beispielsweise starren einen an und finden einen seltsam. Das kann verständlicherweise sehr belastend sein. Auch vorkommen kann ein starkes und offenkundiges Mißtrauen oder auch Argwohn, im DSM IV steht leider Paranoide Vorstellungen oder Argwohn, was wir als tendenziell wertend empfinden, zumahl Mißtrauen ja durchaus anhand einer Lebensgeschichte, die schwerwiegende und chronische traumatische Erfahrungen beinhaltet, ja sehr wohl nachvollziehbar sein kann. Abgesehen davon waren viele mit diesen Eigenarten oder Symptomen durch ihre äußere Wirkung seit Kindheit an als sonderbar und schlicht als Außenseiter wahrgenommen und behandelt worden. Haben nicht selten Mobbing in der Schule erlebt. Liest man dazu die Haltung des DSM IV, kann daher die Sorge, im zwischenmenschlichen Kontakt verletzt zu werden, kaum verwundern, denn dort wird eine solche Ablehnung von Menschen mit den hier beschriebenen Personeneigenarten mehr oder minder gerechtfertigt, da schizotypische Menschen es vorzögen, allein zu bleiben, da sie fühlten, daß sie anders als die anderen seien und einfach nicht dazugehören. Das entspricht zwar dem Erleben der Betroffenen, und die Erfahrungen vermögen zu bestätigen, daß die Welt ein nicht ungefährlicher Ort ist, aber die Festellung des DSM IV, daß sie nicht nicht dazugehören wirft bei uns Fragen nach der Legitimität solcher Wertungen auf. Nicht zuletzt deshalb, weil dies nämlich inhaltlich auch in Zusammenhang mit dem Nichteinhalten konventionellen Regeln ausgeführt wird. Als solches werden mangelnder Blickkontakt genannt sowie das Tragen nicht zusammenpassender, schlecht passender und oder fleckiger Kleidung. Aber wo bitte wird da ein Maßstab gesetzt, wann Kleidung beispielsweise schlecht paßt ? Abgesehen davon meinen wir aber auch, daß im klinischen Alltag vielleicht das Vermeidenwollen einer solchen Etikettierung evtuell ein Übergehen der tatsächtlichen erheblichen Probleme bewirken werden könnte.

Das Erleben von Derealisierungs- oder Depersonalisierungsstörungen sowie Körpergefühlsstörungen kommt gehäuft vor und gehört damit ebenso zu den Kriterien, wobei wir wieder einmal darauf verweisen möchten, daß bestimmte Symptome oder Probleme schizotypischer Menschen eben vielleicht doch auch eine Traumagenese haben können oder besser umgekehrt gesagt, daß bei schwer und sehr früh traumatisierten Menschen schizotype Eigenarten und Symptome sehr wohl vorkommen können , wie ja auch an dem relativ hohen Anteil an diesen zu erkennen ist, die eine multiple Persönlichkeit sind. Und Derealisierungs- und vor allem Depersonalisierungsstörungen gehören für viele Multiple Persönlichkeiten beispielweise zum Erleben von oder kurz nach Flashbacks dazu, was bedeuten kann, daß plötzlich z.B. Teile des eigenen Körpers kleiner erscheinen können. Vor allem, wenn es sich dabei um besonders belastende Erlebnisse handelt und wenn man kaum dabei einen Bezug zu realen Erleben zu erkennen vermag. Sicher müssen solche Erfahrungen und Symptome wie Depersonalisierung oder Derealisierung nicht unbedingt traumabedingt sein, können es aber sehr wohl sein und wir meinen, daß auch dies auf eine mögliche Überlappung mit den Komplexen Posttraumatischen Belastungsstörungen verweisen kann. Es kann hier aber zusätzlich auch ein chronisches Losgelöstsein vom Körper gegeben sein, das nicht mal als solches wahrgenommen werden muß und demgegenüber möglicherweise erst erlebar wird, wenn denn mal ein "sich im Körper fühlen" erreicht werden konnte, wennauch dann mehr von eher kurzer Dauer(siehe auch Gerd Rudolf, 1977, 1998). Wir kennen das hier Beschriebene selbst und finden es von Gerd Rudolf anschaulich dargestellt und meinen, daß eine zeitweilig erlebte stärkere Depersonalisierung auch äußerlich den Eindruck des Fremden mitverstärken kann, was die Betroffenen dann auch befürchten. Das ist aber bislang mehr unser persönlicher Eindruck, auch aus unseren eigenen Erfahrungen. Interessant wäre hierbei, ob nicht bei den schizotypischen Menschen, bei denen ein chronisches Depersonalisationserleben besonders ausgeprägt ist auch Selbstverletzendes Verhalten häufiger vorkommt, was vermutlich meist dann die Komorbidität mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung aufwerfen dürfte..

Oft sind fremd oder extrem wirkende Glaubensinhalte zu bemerken und magisches Denken.Z.B. der Glaube an paranormale Fähigkeiten und Erlebnisse und eine mediale Begabung oder hohe Intuition. Hier ist jedoch große Vorsicht geboten. Denn schizotype Menschen sind in besonderem Maße sensitiv und wie man z.B. bei Colin Ross lesen kann in bezug auf die Dissoziative Identitätsstörung, berichtetet ein erstaunlich hoher Anteil von multiplen Persönlichkeiten von außersinnlichen Erfahrungen und es ist wie obenstehend ja zu beachten, daß es gar nicht mal so wenige schizotypische Multiple gibt. Magisches Denken beginnt erst da, wo man meint, das soziale Umfeld beispielsweise durch entsprechende Fähigkeiten kontrollieren oder beeinflussen zu können. Das ist auch eine Frage der Toleranz von Erfahrungen und extreme Glaubensinhalte zeigen auch sehr wohl Menschen, die keineswegs psychisch krank sind! Und Menschen mit extremen Glaubensinhalten können vor allem ganz andere Eigenschaften haben. Oft ist eine intensive Beschäftigung mit religiösen oder philosophischen Fragen beobachtbar, was ja an sich nicht als solches krankhaft ist. Auch besteht oft ein Interesse an Kunst.

Unserer Auffassung nach wird zwar einerseits die Schizotypie zunehmend mehr erforscht, allerdings vorwiegend im Kontext mit der Disposition zu Schizophrenie. Leider weniger in bezug auf die alltäglichen Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen und dem Herstellen von Beziehungen. Es gibt psychotherapeutische Ansätze in Richtung einer Kognitiven Therapie (Beck/Freeman et al.), wobei häufige automatische Gedanken bzw. Befürchtungen aufgelöst werden sollen sowie ein Training sozialer Kompetenzen wie bei der Schizophrenie. Zwar zeigen schizotype Menschen an sich keine höhere Neigung zum Dissoziieren im Gegensatz zu jenen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung oder gar einer Dissoziativen Identitätsstörung, allerdings schließt das ja nicht aus, daß jemand mit einer Disposition zur Schizophrenie nicht auch mit Dissoziation auf extreme Traumatisierung reagiert und u.U. bereits eine multiple Persönlichkeit entwickelt hat. Allerdings sollte auch hier beachtet werden, daß ja auch niemand mit einer Borderline-Störung geboren wird, sondern daß diese sehr oft auch die Folge langdauernder und komplexer Traumatisierung ist, nur eben, daß bei der Borderline-Störung an sich schon eine Traumagenese oft nachweislich vorliegt, bei der Schizotypie nicht. Jedoch ist auch die Borderline-Persönlichkeitsstörung nicht die Traumastörung schlechthin, denn dann wäre sie weitaus häufiger festellbar. Wir sind allerdings der Ansicht, daß das Wesen der Vertreter dieser beiden Gruppen an sich schon meist so verschieden sein kann , daß man unserer Meinung nach auch in dieser Hinsicht nicht mehr alle erdenklichen Symptome bei früh traumatisierten Menschen um die Borderline-Störung herum gruppieren sollte. Die jenigen, die eine Borderline-Persönlichkeitsstörung haben und wir sind dabei der Ansicht, daß es auch Personen gibt, die dahingerichtete Eigenarten aufweisen, so wie schizothyme im Verhältnis zur Schizotypie, die nicht an sich schon als krank anzusehen sind, hätten aufgrund ihrer angeborenen Neigungen auch sehr wahrscheinlich ein Temperament und Wesen entwickelt, daß eben mit ganz anderen Eigenschaften in Verbindung zu bringen ist. Da aber leider zu oft alles Erdenkliche an jenen pathologisiert wird, die eine Borderline-Persönlichkeitsstörung haben, wird das ursprüngliche Wesen leider zuweilen mit pathologisiert oder zumindest übersehen. Daher finden wir es auch sehr wichtig, einmal zu trennen, was tatsächlich (nur) zur Borderline-Störung gehört und dem, was vor allem traumabedingt ist, also mehr, bei sexellem Mißbrauch vor allem eher auch einer Komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung entspricht. Denn wir sind der Ansicht, daß solche Symptome auch z.B. bei schizotypen Menschen vorkommen können und diese dann vielleicht sogar die spezifischen Probleme, die zur Schizotypie gehöhren beeinflussen bzw. auch verstärken können. Und umgekehrt. Bei beiden Gruppen dürfte dabei auch zumindest teilweise die Psychotherapie unterschiedlich ausfallen, auch dann in Anteilen, wenn gleichzeitig eine Dissoziative Identitätsstörung vorliegt. Leider konnten wir aber bislang keine Literatur finden, der entnehmen zu wäre, welche besonderen Schwierigkeiten schizotype Menschen haben, die sexuell mißbraucht wurden. Besonders, wenn diese auch darüberhinaus multipel sind. Denn die Kontaktstörung bewirkt ja einen enormen Druck und führt sicher bei nicht wenigen dann zu Wechseln und besonders verletzliche Personen werden logischerweise dann eher den Rückzug nach innen antreten.

Es gibt wissnschaftlich verschiedene Möglichkeiten die Schizotypische Persönlichkeitsstörung zu unterteilen. Zum einen in jene, die eher wie schizoide Menschen wirken (also eher kühle und distanziert und dabei schroff abweisend) und in jene, die besonders empfindsam (hypersensitiv) sind und Anzeichen von Selbstunsicherheit zeigen . Aber auch schizoide Menschen sind ihrerseits sehr sensibel, haben aber gegenüber schizotypen Menschen eine andere Art, dies zu zeigen - oder besser gesagt eben tunlichst nicht zu zeigen. Ursprünglich gab es für beide Gruppen eine gemeinsame Diagnose der Schizoidie, zurückgehend auf Ernst Kretschmer, wobei die nicht pathologische Ausprägung entsprechender Eigenarten schizothym genannt wurde. Heute spricht man bei gesunden schizoiden Menschen von einer schizoiden Persönlichkeit und bei den nicht pathologischen schizotypen Eigenarten von einem schizothymen Wesen oder auch noch von Schizotypie, was leicht irreführend ist. Aus der ursprünglichen Schizoidie ist ebenso das Konzept der Selbstunsicheren Persönlichkeit(sstörung) bzw. der Ängstlich vermeidenen Persönlichkeit(sstörung) als eine dritte Variante des ursprünglich beschriebenen Schizoiden hervorgegangen. Im Verhalten und Wesen gibt es aber zwischen allen dreien Gemeinsamkeiten und es kann natürlich zu Überschneidungen kommen, wobei bei schizotypen Menschen allerdings eher eine biologische Verwandtschaft zu einem schizophrenen Elternteil vorliegt oder angenommen wird, zuimndest aber eine Disposition zu schizophrenen Erkrankungen. Denn dies ist keineswegs bei allen so und nicht zwingend erforderlich.

Eine weitere Möglichkeit der Unterteilung der Schizotypie ist auch die in "positiv" und "negativ", entsprechend der vorherrschenden Symptome oder Eigenarten vergleichbar mit den postiven und negativen Symptomen bei Schizophrenien nach Kurt Schneider. Auch ein weiterer, desorganisierter Typus wird beschrieben, der hebephrenen Schizophrenie entsprechend. Mit dieser Unterteilung, die wir in dem hier gegebenen Kontext bislang für weniger erforderlich bzw. zweckmäßig halten, werden wir uns hier nur begrenzt befassen. So wird auch ein Anteil unter den schwerer an Schizotypie Erkrankten beschrieben , die zwar nicht wirklich paranoid sind, aber ausgeprägtere paranoide Züge haben als andere mit dieser Krankheit, jedoch noch vordergründig als schizotypisch zu diagnostizieren seien, weil eben dieses bei ihnen im Vordergrund stehe. Es sei aber auch hier errinnert, daß im ICD 10 die Kategorie der Schizotypie ausdrücklich nicht zum allgemeinen Gebrauch empfohlen wird, da die Schizotype Störung bislang noch nicht ausreichend von der Paranoiden under Schizoiden Persönlickeitsstörung sowie der Schizophrenia Simplex abgrenzbar sei. Wir meinen, daß die Kategorie Schizotype Störung zwar einerseits in der Tat eher vorwiegend eine mehr oder weniger hohe Disposition zu den Schizophrenien vermuten lassen kann, sowie das bei schizophrenen Menschen ja auch an sich unterschiedlich ist und mehrere Faktoren zusammenkommen müssen.

Im letzten Abschnitt wollen wir einige Gedanken ausdrücken, warum wir die Schizotypie bzw. Schizoytpische Persönlichkeitsstörung auf dieser Homepage so weitreichend in bezug auf psychotraumatologische Aspekte oder ggf. Zusammenhänge hin darstellen bzw. hinterfragen, womit wir die Schizotype Störung aber keinesfalls als Traumastörung schlechthin darstellen wollen. Hier geht es uns aber auch an sich mehr um das damit verbundene Verhalten und Wesen und inwieweit es einzelne Symptome oder Eigenarten gibt, die sich durch Erfahrungen wie sexuellen Mißbrauch und extreme emotionale Vernachlässigung verstärken und entwickeln können, die man der Schizotypie zuschreibt, selbst dann wenn der dispositionelle Anteil im Einzelfall vielleicht gar nicht als so hoch erscheint. Natürlich soll damit nicht behauptet werden, die Schizotypische Persönlichkeitsstörung sei an sich eine Traumastörung und stelle ein besonderes Risiko für die Entwicklung eine Dissoziative Identitätsstörung dar (Peter Fiedler, 2001), denn dies ist nicht so. Wir meinen aber daß es wünschenswert wäre, wenn hinsichtlich der Psychotraumatologie zunehmend auch auf die Entwicklung schizotyper Symptome geachtet würde und eben auch in Zusammenhang mit der Dissoziative Identitätsstörung. Auch interessant wäre ebenso die Frage, ob Kinder beiderlei Geschlechts mit einer solchen besonderen meist ja schon früh offenkundigen Sensitivität zumindest anteilig, besonders gewalttätig mißbraucht und oder mißhandelt wurden oder in besonders gehäuft extrem früh . Und ob die eigene Sexualität nicht vielleicht mehr als bei anderen in besonders schwerwiegender und offener Weise als "schlecht" oder bezeichnet wurde, vergleichbar damit wie dies von Mathias Hirsch in bezug auf Psychosen dargelegt wird, wobei das ein ohnehin meist anzutreffender Konflikt ist, bei dem der Mißbrauch nämlich dann die Strafe für das Schlechtsein ist. Mathias Hirsch verweist dabei auf die aktive Rolle der Mutter in diesem Geschehen, die ihrerseits schon im Vorfeld die dem Kind eigene Sexualität verurteilt. Denn im Hinblick auf die "schlecht sitzende Kleidung" z.B., denn darunter man man so einiges verstehen kommen bei uns Fragen auf, ob dies im Einzelfall auch eine Phase innerhalb einer längeren Krise darstellen kann oder auch langfristig eine Angst ausdrücken kann, als sexuelles Wesen wahrgenommen zu werden ? Einerseits aus Angst vor Übergriffen oder aus Angst, dann in sexueller Hinsicht moralisch verurteilt zu werden und dann aus logischer Konsequenz bisherigen Erfahrungen nach erneut für die eigene Schlechtigkeit mit sexueller Gewalt bestraft zu werden. Aber die vermeintliche Schlechtigkeit, die erfahrungsgemäß internalisiert wurde, muß unbedingt verborgen bleiben. Oder ob sich im Einzelfall damit eine behauptete oder wirkliche Verschrobenheit erklären lassen könnte. Letzteres ist mit großer Vorsicht zu betrachten, meinen wir, schizotypische Menschen erleben oftmals sehr intensive sexuelle Bedürfnisse, die sie aber vor allem aufgrund ihrer zumindest auf persönliche Kontakte bezogene beschriebenen Kontaktstörung nicht umsetzen können. Vielleicht aber auch anteilig wegen der beschriebenen Schuldgefüle.

Was auch sicher lohnend währe, ist eine weitere Untersuchung, ob die neuropsychologischen Auffälligkeiten, die man sonst der Schizotypie zuschreibt, auch insgesamt bei einem Anteil schwerst und vor allem dabei auch frühest sexuell traumatisierter und auch deprivierter Menschen verkommen , die z.B. bereits vor dem Erkennen einer möglichen multiplen Persönlichkeit wahrgenommen wurden. Auch dann wenn die Diagnose einer Schizotypie von weniger ignoranten UntersucherInnenn vielleicht aufgrund der individuellen Nachvollziehbarkeit der Symptome und Eigenarten ggf. sogar ausdrücklich vermieden wurde.

Abschließend wollen wir anregen, daß sich die Forschung einerseits damit befaßt, ob es eine schizotypische Variante der Komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung gibt, so wie ja immer häufiger die Borderline-Persönlichkeitsstörung als eine mögliche Variante der Komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung gesehen wird. Dabei ist auch zu beachten,d aß die Schizotypische Persönlichkeitsstörung ja bislang eine hohe Komorbidität mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung aufweist. Kann es sich nicht hierbei eigentlich oft auch um eine tatsächliche Komorbidität mit der Komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung handeln ? Darüber hinaus möchten wir auch die mögliche und gar nicht so seltene Komorbidität der Dissoziativen Identitätsstörung mit der Schizotypischen Persönlichkeitsstörung in das Blickfeld der Forschung und Auseiandersetzung rücken. Ganz besonders, da ja so mancher selbstverständlich davon ausgeht, daß Menschen mit einer Dissoziativen Identitätsstörung immer eine Borderline-Persönlichkeitsstörung haben oder zumindest oft.

Unsere Katze Lolita erzählt in ihrem Tagebuch über alles, was bei ihr und uns im Alltag passiert. Und sie spricht auch über die Schizotypische Persönlichkeitsstörung bzw. Schizotypie bei uns.

In der Wohlfühl-Oase sind Übungen und Anregungen, auch für traumatisierte Menschen mit Schizotypischer Persönlichkeitsstörung zu finden. Beispielsweise gibt es Übung zum Training der sozialen Kompetenz. Diese Übungen haben wir selbst entwickelt und machen sie auch selbst. Sie sind natürlich keinesfalls ein Ersatz für eine Psychotherapie!

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Schizotypie



Monika Kreusel

Zuletzt aktualisiert am 14.07.2006

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