Monika Kreusel: Radikales Annehmen in der DBT - Dialektisch Behaviorale Therapie - Das Unvermeidbare akzeptieren und das Änderbare aktiv angehen

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Radikales Annehmen - www.blumenwiesen.org - Monika Kreusel
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Hindernisse, Zurückweisungen, schlechte Nachrichten oder anderes bringen dich im Alltag immer wieder aus der Ruhe? Du kannst Niederlagen und Entäuschungen schwer oder nicht akzeptieren?

Bist du durch traumatische Erlebnisse in der Kindheit oder auch vielleicht in näher zurückliegender Zeit schwer traumatisiert und hast heute noch immer unter belastenden Erinnerungen oder psychischen Störungen zu leiden, die daraus resultieren? Oder vielleicht ist auch jemand aus deiner Familie betroffen?

In der Dialektisch Behavioralen Therapie sind die radikale Akzeptanz, das Annehmen der Realität und die innere Bereitschaft wichtige und notwendige Schritte in Richtung Stresstoleranz und festigen langrfristig die emotionale Stabilität.

Radikale Akzeptanz bedeutet keineswegs, eine belastende Situation oder erlebte Traumata gut zu heißen, sondern nicht mehr und weniger als schwierige Situationen oder belastende Gefühle im Hier und Jetzt zu akzeptieren, anzunehmen. Das kann je nach Situation wirklich schwer sein, jedoch gibt es für jeden Menschen immer wieder kleinere oder größere Hindernisse, Zurückweisungen, Entäuschungen oder Verletzungen, die Realität sind, denen niemand entweichen kann. Radikale Akzeptanz bedeutet hier, das Unvermeidliche anzunehmen und dann Ausschau zu halten, wie du nun effektiv und zielgerichtet handeln kannst, um im Hier und Jetzt etwas in deinem Leben zu verändern.

Radikale Akzeptanz heißt also nicht, dich in dein Schicksal zu fügen, sondern achtsames Wahrnehmen, den Istzustand akzeptieren und bewusst Schritte in eine neue Richtung zu gehen. Wenn du immer wieder schwer traumatisiert wurdest, magst du denken: "Na, die hat ja gut reden! Wie soll ich das Erlebte radikal annehmen? Das ist ein Hohn! Die spinnt..." Radikales Annehmen heißt aber eben nicht Schönreden, sondern Akzeptieren, dass diese Dinge in deinem Leben passiert sind. Sie waren schmerzhaft und bereiten dir vielleicht noch immer Schmerz. Aber sie sind passiert und das lässt sich nicht mehr ändern. Sie sind Teil deines Lebens. Wenn du das annhemen kannst und das ist eine schwere Aufgabe, bist du frei neue Wege einzuschlagen, dein Leben anders zu gestalten, als du es bislang erlebt hast. Und somit ist das Annehmen und Integrieren dieser schlimmen Erlebnisse auch wichtige Schritte bei der Heilung deiner Traumata.

Aber auch im Hier und Jetzt gibt es schwierige Situationen zu meistern, alte Muster aufzugeben. Vielleicht hast du eine Suchterkrankung und tust dich schwer, dies zu akzeptieren . Der erste Schritt zum Überwinden einer Sucht ist jedoch immer, sich selbst einzugestehen, unter einer Sucht zu leiden und nun darauffolgend in Aktion zu treten, dieses problematische Verhalten mit professioneller Unterstützung aufzugeben. Das wiederum erfordert innere Bereitschaft und eine bewusste Entscheidung für einen neuen Weg. Bei einer Sucht kann das auch so aussehen, sich jeden Tag auf ein neues, sich für diesen neuen Weg zu entscheiden. Dich bewusst selbst zu belohnen, wird dir helfen, weiterhin diesem Weg zu folgen.

Im Modul Stresstoleranz der DBT, in welchem auch das radikale Annehmen vermittelt wird, geht es einerseits um das Bewältigen von intensiven Gefühlen sowie von alltäglichen Hindernissen, Entäuschungen, Zurückweisungen oder was sonst bislang vielleicht dazu beiträgt, dass du im Hier und Jetzt in Krisen gerätst. Natürlich kannst du weiter sagen: "Das Leben ist hart und ungerecht! Warum passieren diese Dinge immer mir?" Das hilft dir nicht weiter. Bisher hast du darauf vielleicht immer wieder mit selbstschädigendem Verhalten reagiert oder 'Wutanfälle' bekommen, um schwierige Situationen und Gefühle nicht spüren zu müssen. Das hat dir bislang vielleicht immer wieder kurzfristig Entlastung verschafft. Somit zielt das Modul Stresstoleranz auch ab auf das Erlernen nicht schädlicher, alternativer und konkreter Bewältigungsmöglichkeiten sowie auch langfristig auf effektives Verhalten.

In verschiedendsten alltäglichen Situationen kannst du radikale Akzeptanz üben und trainieren. Auch in ganz kleinen und banalen Momenten. Wenn es Bindfäden regnet, die Fußgängerampel rot ist und du einen Schirm vergessen hast. Zu allem Überfluss fährt ein Auto an dir schnell durch eine große Pfütze auf der Straße - und du bist auf dem Weg zu einer Verabredung - und jetzt ziemlich nass! Du wirst möglicherweise zumindest ziemlich frustriert sein oder gar wütend. Da hilft aber leider nur radikales Annehmen. Denn zumindest das Wetter kannst du eindeutig nicht ändern. Das Wetter ist zu jeder Zeit eine feststehende Realität, egal, ob es schneit, stürmt oder hagelt. Und wenn du dich intensiv um einen guten Draht zum Petrus bemühst, das wird nichts ändern. Vielleicht wohnst du wie wir in Köln und denkst: "Also dieses ewige Siffwetter geht mir sowas von auf die Nerven! Wenn doch eeendlich wieder Sommer und schönes Wetter wäre, dann ginge es mir bestimmt besser!" Gut, nun kannst weiter im Regen stehen und den armen Petrus anklagen in deinen Gedanken, aber du kannst auch denken: "Ok, meine Klamotten sind klatschnass, das Wetter mag ich gar nicht. Aber nachher ziehe ich mir zu Hause sofort etwas Trockenes an, kuschle mich in meine warme Decke, trinke einen leckeren Tee und nehme morgen vorsichtshalber den Schirm mit." Das ist radikales Annehmen. Du musst nicht plötzlich Regen lieben, aber er gehört in den hiesigen Breitengraden unumstösslich zum Leben. Er ist sogar notwendig, damit neues Leben entstehen und wachsen kann. Du kannst also immer wieder über das 'ätzende Siffwetter' aufregen, den Regen abwerten und dir deine Stimmung davon verderben oder beeinflussen lassen. Du kannst aber auch denken: "Schade, es regnet immer noch. Aber die Natur kann den Regen gut brauchen und auf Regen folgt Sonnenschein. Das Wetter beeinflusst nicht meine Gefühle. Ich kann jederzeit zufrieden sein."

Möglicherweise denkst du jetzt: "Was schreibt die denn die ganze Zeit von schlechtem Wetter? Es geht hier um wirkliche Probleme!" Das liegt im Auge des Betrachters. Als wir im Winter 1994/95 obdachlos waren, lebten wir zeitweise bei -10° C auf der Straße, es war furchtbar kalt, wir zogen uns verschiedene kältebedingte und sehr schmerzhafte Entzündungen im Körper zu. Auf die bittere Kälte folgten Hochwasser und Dauerregen. Und wir hatten kein eigenes Zuhause, wo wir es uns hätten gemütlich machen können. Da blieb nur radikales Akzeptieren. Zugegeben, zumindest einige von uns waren so weit eindeutig nicht! Da nehme ich mich nicht von aus. Auch rückblickend war dies eine schwere, um nicht zu sagen harte Zeit. Wünschenswert war sie sicher nicht für uns. Aber wir haben auch viel Menschlichkeit erfahren und heute können wir uns im Winter beim Einkaufen bewusst machen, dass wir später in unserer warmen Wohnung sein werden und, dass wir heute aktiv etwas dazu tun können, damit wir nie wieder in solch eine Lage kommen. Jahrelang waren solche Temperaturen einer der schwierigsten Trigger. Wir können diese damals wirklich kaum zu ertragenden Momente als einen Abschnitt in unserem Leben begreifen, der lange zurückliegt und akzeptieren, dass es zu unserem Leben gehört, dass wir obdachlos waren.


Argumente dafür, wofür sich radikales Annehmen langfristig lohnt

  • Eine Situation verändern zu können, setzt voraus sie radikal anzunehmen und anzuerkennen
  • Auch in kleinen alltäglichen Situationen radikales Annehmen zu üben, hilft gelassener zu werden.
  • Zwar weiß ich im jetzigen Moment nicht, was mich in nächster Zeit erwartet, aber ich kann selbst mein Handeln bestimmen und mein Leben dadurch positiv beeinflussen.
  • Eine Situation nicht anzunehmen bewirkt, dass wir an ihr festhalten anstatt nach möglichen Lösungen zu suchen. Die dafür notwendige Kraft und Energie bleibt gebunden in dem Sichauflehnen und Rebellieren gegen den Augenblick.
  • Es gibt für jeden Menschen aber auch Ereignisse im Leben, die unvermeidlich sind und unabwendbar. Nicht jeder hat das gleiche "Päckchen zu tragen", aber wir können uns bewusst aussuchen, ob wir gegen sie rebellieren oder sie annehmen.

"Radikale Akzeptanz heißt, die Situation und unsere Reaktionen darauf so anzunehmen, wie sie sind, ohne dass wir sie verändern können. Die Situation ist so, wie sie ist, weil sie nicht anders sein kann, sonst wäre sie anders." (Bohus/Wolf: Interaktives SkillsTraining für Borderline-Patienten. © Schattauer Verlag 2009 / Infoblatt S 27)


Positive Sätze zum radikalen Annehmen

  • Et is, wie et is. (Das ist Kölsch und heißt auf hochdeutsch "Es ist, wie es ist.")
  • Ich habe schon andere schwere Zeiten erlebt und bewältigt.
  • Die jetzige Situation ist schmerzhaft, aber ich kann sie aushalten und freundlich mit mir umgehen.
  • Das ist jetzt mein Gefühl. Ich nehme es an.


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Zuletzt aktualisiert am 16.05.2011

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