Vielleicht fühlst du dich manchmal oder regelmäßig nach dem Trauma unzulänglich. Das kann verschiedene Bereiche betreffen:

  • den Beruf
  • deine Schul- oder Berufsausbildung
  • den beruflichen Werdegang
  • deine Erwerbs- bzw. Arbeitsfähigkeit
  • zwischenmenschliche Kontakte und Beziehungsfähigkeit
  • deine äußere Erscheinung

Auf der einen Seite kann man vielleicht in der Gegenwart oder nähreren Zukunft etwas an der Situation ändern. Wie z.B. einen Schulabschluß nachholen oder eine Berufsausbildung machen. Oder man seine äußere Erscheinung verbessern. Es kann aber auch sein, daß du infolge deiner traumatischen Erlebnisse und deren Folgen nicht mehr berufstätig sein kannst. Das kann ungemein deprimierend sein, wie wir selbst nur zu gut wissen. Wir haben einige Jahre Psychologie studiert, mußten aber feststellen, daß es uns überfordert. Nicht, weil wir den 'Stoff' nicht verstanden hätten oder das Fach nicht passend gewesen wäre, sondern weil uns phasenweise das Studieren an sich überforderte und wir nicht belastbar genug sind. Da wir zuvor am Abendgymnasium das Abitur nachgeholt haben, um studieren zu können war dies eine große Enttäuschung für uns. Schweren Herzens gaben wir das Studium auf.

Wenn man sich unzulänglich fühlt, kann es hilfreich sein, sich bisheriger Erfolge bewußt zu sein und gegebenenfalls eine Liste zu machen mit Erfolgen, jenachdem in welcher Weise man sich unzulänglich fühlt. Wir haben uns in früheren Zeiten auch solche Listen angefertigt- vor vielen Jahren. Jetzt haben wir diese Grundidee in vergleichbarer Form in dem Buch 'neue Wege aus dem Trauma' (siehe rechte Seite) von Prof. Dr. Gottfreid Fischer vorgefunden und wollen sie dir nicht vorenthalten:

    Übung: »An Erfolge denken«

    Wenn Erinnerungen an Ihr belastendes Ereignis oder die belastenden Lebensumstände aufkommen, dann denken Sie gleichzeitig an Ihre früheren Erfolge. Führen Sie die Liste Ihrer Erfolge mit sich. Wenn Sie merken, daß Sie sich in Gedanken längere Zeit mit dem Ereignis beschäftigt haben, ziehen Sie Ihre Erfolgsliste heraus und lesen Sie sich die Erfolge vor, möglichst laut, wenn es von den äußeren Umständen her möglich ist. Nach einiger Zeit benötigen Sie die Liste nicht mehr in schriftlicher Form. Dann gehen Sie Ihre Erfolge in Gedanken durch, besonders dann, wenn sich Gefühle der Unzulänglichkeit oder des Versagens bei Ihnen melden sollten.

    Wirkungsweise: Viele Opfer von traumatischen Ereignissen erleben ihr Unglück wie ein persönliches Versagen, auch wenn dies objektiv gar nicht zutrifft. Dann breitet siche ine lähmende, deprimierende Stimmung aus, die eine wirklichkeitsnahe Sichtweise versperrt. Diese Stimmung können Sie unterbrechen, wenn Sie sich an frühere Erfolge erinnern. Natürlich bleibt die schreckliche Erfahrung, die Sie machen mußten, auch weiterhin deprimierend. Aber für viele Betroffene erscheint sie dann nicht mehr so allumfassend. Wenn Sie Ihre bisherigen Erfolge dagegenhalten, weisen Sie dem jetzigen Unglück einen begrenzten Platz in Ihrem Leben zu. (Gottfried Fischer, 2005, S. 34-35)

Wie kann nun eine solche Liste der persönlichen Erfolge aussehen ? Wir haben vor Jahren mit unserer damaligen Bezugssozialarbeiterin einer Einrichtung eine Liste zusammengestellt, auf fünf Punkte standen, die positive, auch zwischenmenschliche Fähigkeiten beinhalteten. Die Sozialpädagogin half uns dabei mit eigenen Gedanken, was wir gut können. Sie nannte beispielsweise 'Humor' und 'Interesse an anderen Menschen' als Fähigkeiten und positive Eigenschaften. Diese Liste haben wir dann auch in der Einzeltherapie besprochen.

Was schlägt nun Prof. Fischer konkret vor für eine Liste der Erfolge ?

    Bitte notieren Sie, bevor Sie weiterlesen, auf einem Blatt Papier die zehn größten Erfolge Ihres Lebens. Wenn Sie schon ein Traumatagebuch angelegt haben, tragen Sie Ihre fünf größten Erfolge dort ein. Begründen Sie bei jedem Erfolg mit mindestens fünf Argumenten, weshalb es sich um einen Erfolg handelt. (Gottfried Fischer 2005, S. 34)

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Liebende Güte für sich selbst
ist die Grundlage des Übens.
Du kannst niemanden lieben, solange du dich nicht selbst liebst
und gut für dich sorgst.

Thich Nhat Hanh




Monika Kreusel

Zuletzt aktualisiert am 24.01.2007

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