Prof. Dr. Ulrich Sachsse

Allein am Abgrund: Unfähigkeit, alleine zu sein ~ Borderline-Persönlichkeitsstörung ~ www.blumenwiesen.org ~ Monika Kreusel

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Katrin erzählt:
»Wie oft habe ich nachts bei einem Freund angerufen und ihm erzählt, daß ich es mit mir allein nicht aushalte.
Fast immer bekam ich dann das Angebot, mit meinem Schlafsack zu ihm kommen zu dürfen, und ich machte mich mit dem Fahrrad in der Dunkelheit auf den Weg. Er erwartete mich meist schon in der Tür und kurz darauf saßen wir zusammen am Küchentisch. Nie war er genervt oder verärgert über die späte Störung. Gleichwohl wusste ich, wie strapazierend meine unangekündigten Besuche sein mussten. Und weil ja Beziehungen nicht endlos belastbar sind, fragte ich mich, wie anstrengend ich sein darf? Ich war beschämt, denn ich selbst empfand diese Hilferufe von mir als äußerst rücksichtslos, zumal ich wusste, daß er am Morgen zum Frühdienst raus musste.« (Andreas Knuf, 2002, S. 24-25)

Nicht überall stößt Katrin auf Verständnis, wenn sie, wie so oft nicht allein sein kann und andere um Hilfe bittet. »Aus dem Alter müsstest du doch allmählich raus sein.« Sie sucht daher nach anderen Strategien. Sie zieht in eine Wohngemeinschaft, aber auch ihre Mitbewohner sind nicht immer bei ihr, fahren beispielsweise in den Urlaub. Zeitweise arbeitet sie in der Krankenpflege, schiebt einen Nachtdienst nach dem anderen. Bis sie sich in einem Zustand völliger Erschöpfung befindet (Andreas Knuf, 2002, S. 25).

Die Betroffenen können, wenn sie allein sind, in ein tiefes Loch fallen. Viele Menschen, die eine Borderline-Persönlichkeitsstörung haben, wurden früher extrem vernachlässigt. Die traumatische Erfahrung der Deprivation und der Vernachlässigung sind aber schwer in Worte zu fassen. Alleinsein oder Abschied kann zu einem Zustand innerer Leere, Tristesse, Stillstand und völliger Hoffnungslosigkeit führen. Das kann bewirken, daß sich die Betroffenen selbst verletzen (Ulrich Sachsse, 2002, S. 152).

Auch andere selbstschädigende Verhaltensweisen sind möglich, wenn Betroffene es nicht aushalten, alleine zu sein. Eine Betroffene berichtet:
»Und genau wie damals ertrage ich die Einsamkeit nicht, ich werde wahnsinnig, wenn ich allein sein muss, wie früher, wenn aufs Zimmer geschickt wurde. Ich kriege die Panik. Was ich schon alles unternommen habe, um nicht allein zu sein. Ich habe schon die ekligsten Typen mitgenommen, nur damit mir das nicht passiert.« (Günter Niklewski und Rose Riecke-Niklewski, 2003, S. 23)

Auch Alkohol- oder Drogenmissbrauch oder Fressanfälle können dazu dienen, das unerträgliche Gefühl der Einsamkeit 'weg zumachen', nicht spüren zu müssen.

Noch größer ist die Verzweiflung, wenn Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung verlassen werden, und wie übrigens auch sehr oft Menschen mit einer Dissoziativen Identitätsstörung (Frank Putnam, 2003), haben sie große Angst verlassen zu werden. Deshalb tun sie alles erdenkliche um dies zu verhindern. Diese Angst kann ausgelöst werden durch für andere Menschen belanglose Situationen, die dann auch das Verhalten der Betroffenen nicht nachvollziehen können oder wollen. So kann eine Betroffene sehr wütend reagieren, wenn jemand zu spät kommt oder eine Verabredung absagt. Oder sie entwertet sich völlig als nicht liebenswert (Günter Niklewski u. Rose Riecke-Niklewski, 2003, S. 23).

Die Fähigkeit allein sein zu können, ist von der inneren Sicherheit abhängig (Ewald Rahn, 2001, S. 45). Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung fehlt oft die Fähigkeit, nicht anwesende Menschen »im Herzen zu tragen«, so daß sich ein Gefühl der Einsamkeit einstellt (Ewald Rahn, 2001, S. 46), wenn sie allein sind. Das macht das Alleinsein so unerträglich. Selbst wenn eine Betroffene weiß, daß in einer Stunde jemand da sein wird, kann sie dennoch völlig abstürzen und verzweifelt sein (Ulrich Sachsse, 2002, S. 152).

Auch wenn die Betroffenen bei ihren Partnern oder Freunden auf völliges Unverständnis stoßen können, für sie selbst sind diese Einsamkeit und das Alleinsein unerträglich.

Literatur:
Knuf, Andreas (Hg.); Leben auf der Grenze, 2002, Psychiatrie-Verlag
Niklewski, Günter u. Riecke-Niklewski, Rose, 2003, TRIAS
Putnam, Frank W.; Diagnose und Behandlung der Dissoziativen Identitätsstörung, 2003, Junfermann
Rahn, Ewald; Borderline, 2001, Psychiatrie-Verlag
Sachsse, Ulrich; Selbstverletezendes Verhalten, 2002, 6. Auflage, Vandenhoeck & Ruprecht
Sender, Ingrid; Ratgeber Borderline-Syndrom, 2000, CIP-Medien







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Zuletzt aktualisiert am 13.07.2009

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