Damit es hier kein Durcheinander gibt und ich diesbzüglich nicht für alle von uns reden kann oder will, schreibe ich zu diesem Thema nur für mich. Wir haben nicht alle die gleiche Haltung dazu.

Spiritualität ist ein wichtiger Teil meines Lebens. Das bedeutet einerseits für mich, das Leben und meine Erfahrungen auf einer tiefergehenden Ebene zu verstehen und daraus zu handeln, aber auch, daß ich schon sehr sensitiv auf die Welt gekommen bin, was sich im Laufe des Lebens durch traumatische Erlebnisse verstärkt hat. Ich bin sehr hellfühlig, teilweise auch hellsichtig. Das bedeutet, im Alltag zu lernen, wie weit ich mich im Augenblick öffnen kann oder will, um nicht völlig überflutet zu werden. Denn das ist nicht gerade angenehm. Vielleicht hast du schon durch die Homepage gestöbert und gelesen, daß ich eine schizotypische Persönlichkeitsstörung habe und denkst: "Das ist doch alles nur Teil ihrer Krankheit und alles Unsinn..." Spiritualität sowie Hellsichtigkeit oder Hellfühligkeit bedeuten nicht zwangsläufig magisches Denken. Schizotypisch ist in erster Linie magisches Denken.

Magisches Denken bedeutet Schicksalsgläubigkeit und Unbeweglikchkeit oder Rituale anzuwenden, statt Dinge aktiv anzugehen und sich ihnen zu stellen. Magisches Denken ist aber auch nicht zwangsläufig an Spiritualität gebunden. Magisches Denken kann auch bedeuten, Probleme, die dringend gelöst und angegangen werden müßten, zu ignorieren und sich passiv zu verhalten, im Glauben, die Probleme lösen sich dadurch von alleine. Für mich dagegen bedeutet Spiritualität auch, in Problemen und Schwierigkeiten Lernaufgaben zu sehen, wenn ich mich verrenne oder keine Lösung in Sicht ist. Wenn alte Muster ausgedient haben, gilt es neue und hilfreiche zu lernen, die mich weiterbringen. Da ich ja neben der Dissoziativen Identitätsstörung ja auch eine schwere (schizotypische) Persönlichkeitsstörung habe, komme ich immer wieder in Situationen, wo ich zu lernen habe. Daß nicht überall nur gefährliche Menschen lauern beipielsweise, auch wenn mir einzelne Menschen großen Schaden zugefügt haben und ich daher nur schwer wirklich vertrauen kann. Eine schwere Persönlichkeitsstörung zu haben, verlangt immer wieder, bereit zu sein, an sich zu arbeiten, sich zu verändern, Neues zu lernen. Das ist sehr schwer, keine Frage. Somit stehe ich laufend vor Lernaufgaben...

Die spirituelle Beraterin Bärbel Lukosz, eine sehr liebe und bodenständige Frau, vertritt ebenso die Ansicht, daß hinter allen Problemen Lernaufgaben stehen. Da heißt es eindeutig, sich nicht dem Schicksal zu ergeben, sondern sich zu fragen: "Was kann ich daraus lernen?" In der jeweiligen Situation kann dies natürlich sehr schmerzhaft sein und erfordert einen Mut, den auch ich nicht immer habe. Aber auch in der Dialektisch Behavioralen Therapie wären dann Skills wie 'Radikale Akzeptanz' oder 'Innere Bereitschaft' angesagt. Die spirituelle Sichtweise, hinter Problemen eine Lernaufgabe zu sehen, ist also gar nicht abgehoben, sondern etwas ganz Lebensnahes.

Mich mit Büchern von Thich Nhat Hanh, einem bekannten Zenmeister und buddhistischem Mönch oder von spirituellen Beratern wie Louise Hay zu beschäftigen, ist für mich eine Vertiefung dessen, was ich in der Therapie lerne und bedeutet mich eine ganzheitliche Betrachtungsweise meiner Situation oder bestimmter Verhaltensmuster. Neben ungünstigen Prognosen bezüglich meiner psychischen Erkrankungen gibt mir die Spiritualität Hoffnung und Motivation, Dinge anzugehen und freundlich mit mir umzugehen, bei mir zu sein und zu bleiben.

Um auch auf der Homepage der Spiritualität einen Raum zu geben, bieten wir nun einen entsprechenden Bereich an. Zwar sind in der Wohlfühl-Oase auch spirituelle Themen zu finden, aber in dem neuen Bereich 'Spiritualität' geht es um ein tieferes Verständnis dieser Themen.



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Monika Kreusel

Zuletzt aktualisiert am 07.03.2007

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