Glaube an der Grenze des Erträglichen - Monika Kreusel www.blumenwiesen.org - organisierte Kriminalität




Glaube an der Grenze des Erträglichen - Monika Kreusel - organisierte Kriminalität
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Glaube an der Grenze des Erträglichen

Wir sind gläubige Christen. Unser Glaube ist ein sehr wesentlicher Bestandteil unseres Lebens. Natürlich hat nicht jede von uns die gleiche Haltung dazu, was zuweilen auch mit heftigen Konflikten behaftet war.

Der folgende Text enthält Details aus unserer Lebensgeschichte. Er kann Erinnerungen an eigene traumatische Erfahrungen triggern, also bitte aufpassen beim Lesen. Es geht dabei wesentlich um eigene Erfahrungen durch organisierte Kriminalität, der Inhalt dieser Seite kann also emotional belastend sein. Bitte achte auf deine eigenen Grenzen.

Es gab auch Zeiten, wo es schwieriger war zu glauben, kaum zu ertragen. Da fühlte ich mich zumindest verlassen und überfordert - als es um meiner Existenz und unser Leben ging. Ein evangelischer Pfarrer aus Eitorf hatte uns vor Jahren in einem persönlichen Gespräch nach dem Unfalltod eines guten Freundes gesagt, um den auch er trauerte, Gott mute einem nur das zu, was man gerade noch ertragen kann. Mehr nicht.

Aber es gab Zeiten, die waren eigentlich nicht mehr zu ertragen und wir alle hatten große Angst um unser Überleben. Das zog sich über drei Jahre hin. Angefangen hatte es mit riesigen Schmetterlingen im Bauch. Auf der von mir mit organisierten Geburtstagsparty einer Freundin lernte ich nachts in einen Mann kennen, der mir dort sofort auffiel und in den ich mich auch direkt verliebte. Das war am 1. Mai. Leider sollte sich zu späterer Zeit zeigen, das er einem Umfeld angehörte, dem ich selbst nie hätte angehören wollen. Ich habe aber auch nie dazu gehört.

Nachdem ich dies freiwillig keinesfalls wollte, versuchte man uns gegen unseren Willen mit Gewalt zur Prostitution zu zwingen. Das bedeutete im Klartext eine mehrstündige Vergewaltigung durch zwei Männer Ende August. Es gab zudem heftige Auseinandersetzungen mit unseren Eltern, bei denen wir bis dahin noch gewohnt hatten. Dann nicht mehr. Zu allem Überfluss verloren im September wir unseren Arbeitsplatz als Einzelhandelskauffrau in Siegburg, kurzfristig und in einer sehr unglücklichen Situation. Die Kündigungsfrist dauerte nur bis Ende Oktober. Wir kamen die erste Zeit bei Freunden aus einer Freikirche unter. Dort konnten wir aber nicht bleiben, vor allem auch weil ich zu bestimmten Glaubensfragen eine gegensätzliche Haltung einnahm. Also waren wir mal hier, mal dort. Obdachlos eben. Wir haben auch richtig auf der Straße gelebt. Meist fanden wir für nachts eine Schlafmöglichkeit. Aber wir haben einige Nächte im Winter im Freien verbracht. Bei ca. -10°C. Das war für uns ganz furchtbar, auch nach Jahren in meinen Erinnerungen, die sich aufzwangen als Flashbacks.

Vom 25. Januar bis zum 3. März 1995 war vor dem Landgericht Bonn der Strafprozess gegen die beiden Täter. Sie wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Dieser Prozess, der fünf Verhandlungstage andauerte, war für sich noch einmal eine harte Belastungsprobe. Ich habe mich mehrfach gefühlt, als sei ich eigentlich die Angeklagte. Einer der beiden Täter legte unmittelbar vor seiner Verurteilung ein Geständnis ab und belastete den anderen Täter mit.

Im Frühling zogen wir bis Mitte Juli zu einer Freundin und ihrer damals fünf Jahre alten Tochter nach Bergisch-Gladbach, wo wir schon einmal fünf Wochen untergekommen waren. Wir kümmerten uns viel um das Mädchen. Unser damaliger Freund bat mir ganz praktisch Hilfe an, meine Sachen, soweit zu dem Zeitpunkt möglich bei den Eltern abzuholen, indem er einen Freund fragen könne, ob er gegen 50 DM für Benzin einen Transportbus von seinem Arbeitsplatz ausleihe und mit mir zu den Eltern fahre. So manche andere nah stehende Menschen begegneten mir zuweilen mit Sätzen wie "Werd erst mal vernünftig!" Ich bin ihm heute noch dankbar für dieses einfache und praktische Angebot, mir auf diese Weise zu helfen.

Ich fand im April eine Arbeitsstelle in einer Werbeagentur in Köln, aber das Einkommen war relativ unsicher, wie sich zu späteren Zeiten noch deutlicher zeigen sollte. Ich kaufte im Juni ein Auto, was ich auch für die Arbeit bei der Werbeagentur einsetzte. Wir hatten noch zeitweise während der Sommermonate eine Arbeitsstelle in der Gastronomie in Rösrath. Schließlich fanden wir auch eine Wohnung in Overath-Marialinden. Es schien also wieder aufwärts zu gehen. Sogar das Verhältnis zu den Eltern besserte sich zeitweise.

Aber am 10. Oktober 1995 änderte sich alles schlagartig. Ich wurde, auch durch meinen damaligen Freund unter massiven Drohungen gezwungen meine Aussagen vor Gericht gegen den nicht geständigen Täter von damals zurückzuziehen, was ich nur pro forma machte, um den Drohungen erstmal zu entgehen. Es war für mich nach meinem Empfinden unerträglich und widerstrebte mir vollkommen, das zu unterschreiben. Das ging über Stunden, bis nachts so um 2:00 Uhr und ließ schmerzliche Erinnerungen an das damals Erlebte in mir wach werden. Entgegen des ausdrücklichen Verbots dies zu tun und das beinhaltete die erste Morddrohung gegen mich, sagte ich über meine Rechtsanwältin bei der Staatsanwaltschaft Bonn darüber aus, wie es zu dieser Unterschrift gekommen war. Der Täter, um den es dabei ging, war mittlerweile flüchtig, nachdem er Haftverschonung erhalten hatte, weil er verheiratet und Vater eines Sohnes sei. Er hatte nun einen Antrag auf Wiederaufnahme gestellt. Dieser wurde am 29. Februar 1996 durch das Landgericht Köln abgelehnt, weil ich wahrheitsgemäß ausgesagt hatte, zu der Unterschrift gezwungen worden zu sein.

Wir wurden fortan um unser Leben bedroht, nachdem herausgekommen war, dass ich die Staatsanwältin informiert hatte und der Wiederaufnahmeantrag abgelehnt worden war. Nicht nur einmal wurde ich bedroht, sondern regelmäßig und zwar von meinem früheren Freund. Irgendwann drohte er nicht mehr...Man wollte uns nun wirklich umbringen. Wir waren mittlerweile am 28. März 1996 nach einem Suizidversuch in eine psychiatrische Klinik gebracht worden von unserem Anwalt, der auch die Situation mit den Bedrohungen dort erklärte. Es mag schwer nachfühlbar sein vielleicht, dass es zum Suizidversuch kam, aber ich hatte nahezu alles verloren und vor allem Angst, bald erleben zu müssen, ermordet zu werden. Ich litt anhaltend unter Flashbacks von der Vergewaltigung und der Nacht im Oktober 1995, in der ich hatte unterschreiben müssen, dieser Täter sei nicht dabei gewesen.

Wir waren in der Zeit seit Oktober so in Aufruhr, dass meine Gedächtnislücken und stundenlangen Fugue-Episoden schon bei der Aufnahme zur Sprache kamen und bald wurde dort auch u.a. die Diagnose Dissoziative Identitätsstörung gestellt, wenngleich sie noch nicht ausdrücklich im Entlassungsschein stand. Natürlich hatte ich diese Störung bereits gehabt, nur wusste ich es nicht. Außerdem hatte ich eine Posttraumatische Belastungsstörung und mir wurde erklärt, ich sei schwerst depressiv. Für ein paar Monate war ich in einer therapeutischen Wohngruppe der Klinik und hatte die meiste Zeit ein großes Zimmer für mich. Der Aufenthalt auf der eigentlichen Station sei für mich neben den meist psychotischen Patienten in meiner Situation zu belastend. Eigentlich sei ich nicht wirklich psychisch krank.

Bilder aus der Zeit des Klinikaufenthalts nach dem Suizidversuch - Monika Kreusel, 1996

Unser Auto, wir hatten übrigens ganz unabhängig davon am 26. März einen für uns folgenschweren und unverschuldeten Unfall gehabt, wurde auf dem Klinikgelände an einer Bremsleitung beschädigt. Ich konnte kein Gutachten bezahlen, was ich aber hätte tun müssen, sagte der Polizeibeamte, der sich den Wagen genau ansah und auch Spuren entdeckte, die neu waren. Das war im Mai 1996. Hatten wir hier Glück gehabt, dass unser Wagen gegen solche 'Aktionen' elektronisch gesichert war, er ließ sich nicht mehr starten und zeigte kurz einen Defekt der Bremsen, kam es noch schlimmer. Zu späterer Zeit und zwar erst 1997 wurde der Wagen dann schließlich doch begutachtet, ich brauchte das nicht selbst zu zahlen.

Nach 10 Monaten Psychiatrieaufenthalt waren wir wieder obdachlos und wurden am 8. Januar 1997 entlassen. Die Wohnung in Overath war zu abgelegen und auch nicht mehr finanzierbar. Nach einer Woche Zwischenstation bei einem flüchtigen Bekannten und dessen Sohn kamen wir in ein Hotel der Stadt Köln, das uns das Wohnungsamt zugewiesen hat.

Einen Monat später wurden wir kurzfristig umquartiert von der Polizei in ein anderes Hotel, das die Polizei bereits ausgesucht hatte. Wir hatten bereits erfahren durch die Polizei, dass man einen Killer beauftragt hatte, der mich umbringen sollte. Das war eine wirklich schmerzliche und schreckensreiche Zeit, aber wir versuchten sie so gut zu organiseren, wie es ging. Nur, wie geht das immer, wenn man nicht voneinander weiß...? Die Diagnose wußten wir ja, aber nicht, was das ist. Dass ich nicht alleine bin. Nur manchmal ahnte ich etwas. Mir hatte niemand erklären wollen, was meine häufigen Gedächtnislücken bitte mit meiner Identität zu tun haben sollen. Ein Polizeibeamter kaufte mit mir einen Terminkalender, den würde ich brauchen, ich würde durch die Belastung noch mehr Gedächtnislücken haben, aber auch viele Termine, die ich einhalten müsse. In dem ganzen Unheil gab es auch Hilfe. Eine gläubige Freundin von uns, schrieb uns und das waren schöne Zeichen, dass ich nicht vergessen wurde. Auch von anderen nicht. Wir bekamen leihweise einen Fernseher von einer Freundin aus Eitorf und ihrem Mann. Eigentlich hatte ich niemandem meine Adresse nennen dürfen. Bei ihnen konnte ich mir absolut sicher sein, ihnen trauen zu können. Einige Fernsehsender versuchten uns zu helfen, wir gaben also Fernsehinterviews (Sat1 und RTL) und Interviews für diverse Frauenzeitschriften. Die Staatsanwältin aus Bonn stand voll hinter uns. Diese Kontakte liefen über unseren Rechtsanwalt und die Inhaberin des Hotels. Sie ist Sozialpädagogin. Der Anwalt war nun gewissermaßen auch unser Pressesprecher und gab auch im Fernsehen ein Interview. An den Interviews beteiligte sich ebenso auch der Weisse Ring.

Aber schließlich kam es in der Nacht vom 7. auf den 8. Juni 1997 zu den wohl mit schlimmsten Momenten unseres Lebens, an die ich mich erinnern kann. Wir bekamen "Besuch", es waren insgesamt drei Personen. Daran hatte ich gar nicht vorher gedacht, daß es mehrere Täter sein könnten. Einer von ihnen saß, er wirkte sehr nervös und rauchte eine Zigarette nach der anderen, in einem Wagen hinter dem Steuer und zwei klingelten Sturm. Einmal machte ich den Fehler und öffnete kurz die Tür, weil ich an meinem Verstand zweifelte. Aber da stand niemand vor der Tür, sondern jeweils rechts und links außen. Ich machte ganz schnell wieder zu, aber es versuchte jemand von außen die Tür offen zu halten. Das war mehr flüchtig, für den Bruchteil einer Sekunde vielleicht, kaum wahrnehmbar. Aber ich war schneller und rannte durch den Flur ins Innere des Hotels. Dort gab es keinen Empfang oder ähnliches. Telefonieren konnte ich auch nicht und bat eine Nachbarin unten im Haus, sofort die Polizei anzurufen. Sie stand im Flur vor ihrem Zimmer und dem ihrer Familie und weigerte sich vehement, die Polizei anzurufen. Ich solle nach draußen gehen vor die Tür, damit das Klingeln aufhöre. Ich habe ihr wiederholt, auch mittlerweile sehr wütend gesagt bzw. sie aufgefordert, die Polizei zu rufen. Sie blieb stur, ich solle raus gehen vor die Tür und die Polizei rufe sie auf keinen Fall an.

Insgesamt hielt das Sturmklingeln eine Stunde und 25 Minuten an, dann gaben die Täter auf. Es war kein hektisches Klingeln. Es war gleichbleibend, eines nach dem anderen, ununterbrochen. Sie fuhren weg. Am nächsten Tag waren sie wieder da. Wir sahen den selben Wagen wieder, schrieben das Nummernschild auf für die Polizei und sahen von weitem, dass jemand an der Tür klingelte. Er wirkte auf mich von weitem sehr ähnlich wie der flüchtige Täter und trug einen weißen Stoffbeutel bei sich. Sicher war er es nicht selbst. Was dieser Mann dort mit der Tasche wollte, kann ich nicht sagen. Das ist mir ein Rätsel.

Wir fuhren sofort zum Polizeipräsidium, wo wir lange warten mussten. Es kamen einige Beamte aus Siegburg und man diskutierte das weitere Vorgehen. Aber man konnte ja schlecht was gegen unbekannte Personen unternehmen, weil die Nummernschilder gefälscht waren, wie sich schnell herausstellte, wurde mir von einer Polizeibeamten der Kriminalwache erklärt. Es kam auch zu einem Ermittlungsverfahren wegen versuchter Tötung und Verabredung zu einem Verbrechen, aber letztenendes ohne wünschenswerten Erfolg. Ende Juli konnte der seit zwei Jahren flüchtige Täter durch die Polizei Siegburg endlich verhaftet werden, während er mit seiner Familie in Bonn in seinen Geburtstag hinein feierte. Seine Frau hatte mich bereits wenige Tage vor dem Mordversuch angezeigt wegen uneidlicher Falschaussage. Den Ausgang des Verfahrens hätte ich eigentlich wohl gar nicht erleben sollen. Eines ihrer stets wiederholten Hauptargumente war, dass ich einen schlechten Charakter hätte, das wisse doch jeder und wie "gestört" ich sei.

Wir meldeten uns am 19. August 1997 am Abendgymnasium Köln an und machten in zwei Jahren unser Abitur nach. Wir bekamen im Herbst eine neue Notunterkunft in einem anderen Haus der Hotelinhaberin und ihres Mannes. Das war ein kleines Appartement im Keller und eine Übergangslösung bis zur neuen Wohnung. Im November des selben Jahres fanden wir einen Therapeuten, der sich sehr gut mit organisierter Kriminalität auskennt und sofort bereit war uns zu behandeln, als ich ihm kurz berichtete, was ich allein in diesem Jahr erlebt hatte sowie die vergangenen Jahre. Nicht erstaunlich dürfte da sein, dass wir in dem Jahr seit der Entlassung aus der Psychiatrie 17 kg abgenommen hatten, was teilweise aber auch erwünscht war, weil wir im Krankenhaus 11 kg zugenommen hatten. Aber trotzdem spiegelt das etwas von dem wieder, was wir erlebt haben und bewältigen mussten.

Im Juni 1999 verließ ich nach zwei Jahren mit bestandenem Abitur das Abendgymnasium der Stadt Köln. Am 1. Oktober begann kurz darauf das Studium an der Fernuniversität Hagen. Seit Januar 2000 haben wir nun wieder eine Wohnung, mit einer großen Dachterrasse, über die wir sehr glücklich sind. Die Wohnung bei der Wohnungsbaugesellschaft GAG wurde uns durch das Wohnungsamt zugewiesen.

In diesen Jahren gab es oft Zweifel an unserem Glauben und auch immer wieder an Gott. Aber es war sicher auch in diesen schweren Zeiten bei uns gewesen, auch wenn ich das oft nicht sehen konnte. Wir haben das alles überlebt!

Ich habe ganz bewußt all diese schmerzlichen Erfahrungen aufgezählt, die wir erlebt haben. Wäre das glaubwürdig, gerade auf unserer Homepage, wo es ja um schwere Traumata und deren Folgen geht, diese Dinge weg zu lassen? Ich will nicht eine heile Welt darstellen, die es so nicht gab und einen festen, immer standhaften Glauben heucheln, der nicht immer da war. Es gab vielmehr große Zweifel und Konflikte. Das soll alles hier keine Anklage gegen Gott sein, verantwortlich sind allein die Täter, nicht er.

Wenn mir früher jemand erzählt hätte, ich sei multipel (mit allen daraus folgenden Konsequenzen) oder, dass ich je als Erwachsene Opfer organisierter Kriminalität würde, hätte ich vielleicht gelacht oder anders abwehrend reagiert. Es ist aber an sich schon erstaunlich, dass wir das überlebt haben und, das lag sicher nicht nur an unserem entschlossenen Handeln die Tür wieder zu schließen, sondern weil Gott es möglich machte, dass wir uns so verhalten konnten.

Wer jetzt ein einziges Jubeln und die Darstellung einer heilen Welt erwartete, wird sicher masslos enttäuscht sein. Wie gesagt, das Beschriebene soll keine Anklage gegen Gott sein. Aber es gehört zu unserem Leben, genauso wie es dazu gehört, wieder in ruhigeren Zeiten hoffentlich weiter zukommen. Langsam machen sich Veränderungen bemerkbar, die lange auf sich warten ließen und um die ich lange gerungen habe. Also Veränderungen im alltäglichen Verhalten und Erleben. Das hat aber sicher verschiedene Gründe, die Therapie ist eine wesentlicher davon.

Zwar ist es in unserem Leben wieder weitgehend ruhig geworden, dennoch habe ich mir mein Leben sicher anders vorgestellt. Dazu gehörte das für mich lange schwierige Akzeptieren, dass ich nicht allein in meinem Körper bin, sondern eben eine Dissoziative Identitätsstörung habe, eine multiple Persönlichkeit bin. Das war alles andere als einfach für mich. Wir waren nun mehrfach in der Psychiatrie gewesen, sind mittlerweile 100 % schwerbehindert und erwerbsunfähig. Von mir kann ich nur sagen, dass ich lange gebraucht habe, um auch meine anderen psychischen Störungen annehmen zu können. Die Dissoziative Identitätsstörung mag zwar einerseits eine schwere psychische Störung sein, aber sie ist auch eine Möglichkeit, etwas zu überleben, was man allein nicht ertragen kann. Sie ist von daher auch für uns von Gott aus eine Möglichkeit zu überleben. Manches wird uns vermutlich nie möglich sein im Leben, was anderen Menschen ganz selbstverständlich erscheint. Aber eine Integration, die wir früher angestrebt haben, oder ich zumindest, ist wohl eher nicht der Weg für uns. Eine entsprechende Traumabearbeitung würde uns zu sehr destabilisieren, wurde uns von mehren Therapeuten gesagt.

Inzwischen liegen fünf tagesklinische Psychotherapien hinter uns seit 2001, viermal in der Tagesklinik Alteburger Straße in der Kölner Südstadt und einmal in der TK 17 für Patienten mit Persönlichkeitsstörungen der LVR-Klinik Köln in Merheim. Jeweils zwei und ein Jahr waren wir ambulant bei einer tiefenpsychologischen Psychotherapeutin, die sich auf die Behandlung von Patienten mit Dissoziativer Identitätsstörung spezialisiert hat. Bereits von 1997 bis 2001 hatten wir eine ambulante Psychotherapie gemacht. Es gibt keine internen Grabenkämpfe mehr und weniger Chaos verursachende Gedächtnislücken im Alltag. Weil es für die schizotypische Persönlichkeitsstörung keine spezifische Psychotherapie gibt, habe ich 2007 in der TK 17 in Köln Merheim tagesklinisch DBT gemacht, an sich eine spezifische Therapie für Patienten mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung. Eine solche habe ich zwar eigentlich nicht, aber ich habe durch die Dialektisch Behaviorale Therapie lernen können, Frühwarnsymptome für eine drohende Reizüberflutung wahrnehmen zu können, aber auch für schwere körperbezogene Dissoziationen. Da ich auch große Angst entwickelt hatte, unter Menschen zu gehen und auch immer wieder Panikattacken erlebt hatte, war die DBT für mich sehr hilfreich, meine Gedanken achtsam wahrzunehmen und sie auf etwas anderes zu lenken. Lebenskarten - Barbara Völkner

In diese Zeit des Aufenthalts in der TK 17 fiel auch, nach 10 Jahren die Verjährung des 1997 erlebten Mordversuchs. Das war zumindest anteilig auch eine Entlastung, da ich die Erinnerungen nicht mehr abrufbar halten muss für den Fall, dass es dann doch irgendwann zu einem Prozess gekommen wäre. Ein Thema war daher auch das Loslassen und meinerseits zu vergeben, vor allem auch meinem damaligen Freund. Das Wort Vergebung war über Jahre ein rotes Tuch gewesen für mich, eine moralische Verpflichtung als Christ. Die Zeit war für mich noch nicht da gewesen, zu vergeben. In der TK 17 habe ich jedoch einen ganz anderen Aspekt von Vergebung erfahren, nämlich mich selbst damit zu entlasten. Vergebung bedeutet nicht zu vergessen, sondern es nicht mehr nachzuhalten immer wieder. Ich muss zugeben, daran muss ich mich immer wieder selbst erinnern. Auch hier bedeutet für mich Vergebung nicht, dass die Welt wieder in Ordnung ist.

Es ist eben viel in meinem und unseren Leben so gar nicht in Ordnung, noch immer sind wir sehr isoliert, zumindest außerhalb des Hilfesystems. Ich bin inzwischen 40 Jahre alt und in meinem Leben hat es etliches eben auch nicht gegeben, was ich auch nicht mehr nachholen kann.

Es bleibt, im Alltag damit umzugehen und zu akzeptieren und ich will Gott nicht ständig damit in den Ohren liegen, daß alles ganz anders sein müßte in meinem Leben. Es ist so wie es ist.

Linktipps:

Roberto Saviano

Roberto Saviano (31) ist Italiener und kommt aus der Nähe von Neapel. Er wurde berühmt durch sein Buch Gomorrha über die Camorra, das heißt über die italienische Mafia in Casal di Principe. Seit 2006 lebt Roberto Saviano aufgrund von Morddrohungen mit ständigem Schutz durch die Polizei und muss laufend seinen Aufenthaltsort wechseln. Sein Buch wurde erfolgreich verfilmt. Für das darauf folgende Buch Das Gegenteil von Tod wurde er mit dem Geschwister-Scholl-Preis geehrt.

Roberto Saviano: Ich will ein Dorn im Auge sein! ZEIT online 22. Oktober 2009 - 08:00 Uhr

Spiegel-OnlineChat mit dem ehemaligen Mafioso Giorgio Basile (Vorsicht, nur für starke Nerven!)

Mafia? Nein danke! Gesicht zeigen gegen die organisierte Kriminalität

Dachverband Dialektisch Behaviorale Therapie e.V.

Stadt Köln

Die Stadt Köln hat mich großzügig unterstützt, durch die Möglichkeit zu persönlichen Gesprächen bei einer Sozialpädagogin sowie bei der Ermöglichung des Besuchs des Abendgymnasiums und insbesondere auch hinsichtlich des Studiums.

Sozialdienst katholischer Frauen Köln e.V.

Durch den SkF Köln e.V. erhalte ich seit Anfang Juli 1997 Unterstützung. Bis zum 8. Januar 2010 war ich Besucherin des Café Mäc-Up, einer sozialen Einrichtung.

Tagesklinik Alteburger Straße

Tagesklinik Psychotherapie (TK 17) der LVR-Klinik Köln


Es würde dem letzten Teil der Seite nach meinem Empfinden widersprechen, die Herkunft des Täterumfelds präzise zu benennen und ich möchte mit dieser Seite auch keinerlei Feindseligkeit zum Ausdruck bringen. Der Link zur Internetseite von Roberto Saviano sagt nichts über die Herkunft des oben beschriebene Täterumfelds aus. Aus Italien kamen sie nicht. Auch ist es damit nicht mein Ziel, etwas Konkretes aufzudecken nach so vielen Jahren.

Auch möchte ich aufgrund der genannten Auseinandersetzungen meine Eltern an dieser Stelle keinesfalls "anklagen" oder auch sonst in einem schlechten Licht darstellen. Sie boten mir ein Elternhaus, das nicht weiter weg sein könnte als das beschriebene kriminelle Umfeld meines früheren Freundes. Auch hinsichtlich der Diagnose der Dissoziativen Identitätsstörung bitte ich zu bedenken, dass in einer Familie Dinge passieren können, die für alle traumatisch sind und die die Eltern selbst nicht zu verantworten haben. Es gibt nicht die eine Lebensgeschichte, die alle Betroffenen der DIS teilen. Über weiteres möchte ich mich nicht äußern.

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Ein wenig über uns - Monika Kreusel



Monika Kreusel

Zuletzt aktualisiert am 14.11.2010

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