1989 haben wir, was sicher ein Fehler war das Gymnasium ohne Abitur verlassen. Wollten eigentlich die Schule wechseln und nicht abbrechen. Dies war jedoch nicht möglich. Wir hätten gerne Kunst als Leistungskursfach gehabt. Das wäre unserer begabung näher gekommen.

Wir gingen nun mit unserer Mutter zwecks Berufsberatung zum Arbeitsamt. Dort empfahl man uns eine dreijährige Ausbildung zu machen, die etwas mit Gestaltung zu tun habe. Nun schrieben wir für verschiedene Berufe Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz.

Schließlich fanden wir im Januar 1990 wir einen Ausbildungsplatz in der Schuhbranche. Wir sagten dort von Anfang an, daß es uns mehr um das Dekorieren ging als um den Verkauf. Von August 1990 bis Juni 1993 haben wir also bei der FW. Böhmer KG in zwei Kölner Filialen und später auch vorübergehend in der Düsseldorfer Zentrale eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau gemacht. Dort haben wir dann auch dekorieren gelernt.
Schon bald nach Beginn der Ausbildung wurde uns in der Berufsschule und auch am Ausbildungsplatz erklärt, daß dieser Beruf für uns nicht geeignet sei. Unser Körper rebellierte völlig. Unser Hausarzt sagte, wir müßten die Ausbildung sofort beenden oder wenigstens nach dem Abschluß etwas anderes machen. Unser Herz raste unaufhörlich, wir hatten laufend Magenschmerzen und wogen 2001 schließlich nur noch 48 kg. Unser Hausarzt wünschte uns alle 2 Tage zu sehen und wir mußten dann jedesmal unter Aufsicht auf die Waage. Wir wurden immer dünner und schwächer.
Dennoch haben wir während der Ausbildungszeit sehr viel gearbeitet. Viele Überstunden gemacht. Im letzten Ausbildungsjahr bekamen wir deshalb zu Weihnachten einen goldenen Ring, den wir seither immer tragen. Er ist eine große Bestätigung für uns, die uns viel bedeutet.
Zum Ende der Ausbildung sagte man uns freundlich, daß wir für den Beruf der Einzelhandelskauffrau nicht geeignet seien. Wenn wir eingestellt würden, dann ginge dies nur als Verkäuferin und dies sei für uns nicht passend.

Direkt im Anschluß an die Ausbildung fanden wir in Siegburg einen Arbeitsplatz als Einzelhandelskauffrau bei der Firma Landgraf im Schuhhaus Bleifeld. Wir hatten uns bereits zusätzlich am Abendgymnasium Siegburg angemeldet, aber wegen unserer psychosomatischen Erkrankungen wäre die Belastung zu groß gewesen. Es kamen weitere gesundheitliche Probleme hinzu. Wir bekamen unerträgliche Nervenschmerzen am Kopf, die erfolglos mit verschiedenen starken Schmerzmitteln behandelt wurden. Darüberhinaus begann die eine oder andere von uns an, große Mengen Alkohol zu trinken. Nach einigen Monaten bekamen wir das mit Abstinenz in der Fastenzeit in den Griff.
1994 lernten wir unseren damaligen Freund kennen. Zumindest einige waren sehr verliebt in ihn. Am Arbeitsplatz freute man sich für uns und amüsierte sich über seine häufigen Anrufe.
Im August wurde es dann ganz schlimm. Nach einer Vergewaltigung durch zwei Täter aus dem Umfeld der organisierten Kriminalität, wir wurden deshalb von unserem Hausarzt krankgeschrieben, verloren wir unseren Arbeitsplatz. Wir waren kurz zuvor obdachlos geworden.
Wir kamen zwischenzeitlich nochmal arbeiten, bekamen aber plötzlich sehr hohes Fieber. Schließlich gaben wir Ende Oktober dort unseren Ausstand. Es war ein Abschied mit einer ungewissen Zukunft.

Wir hatten zwar zwischenzeitlich ein WG-Zinmmer gefunden in Siegburg, aber dort konnten wir nicht bleiben.

Erst im April 1995 fanden wir von Bergisch Gladbach aus einen Arbeitsplatz in einer Werbeagentur in Köln. Erst arbeiteten wir im Innendienst. Das bedeutete 9 Stunden pausenloses Verkaufen am Telefon. Etwas verkaufen, was niemand braucht. Später wechselten wir, nachdem wir uns von unserem angesparten Geld ein Auto gekauft hatten in den Außendienst. Das war vom Arbeiten her besser für uns, wennauch oft nervenaufreibend, wenn Termine für die Kunden nicht verbindlich gewesen waren. Zwischenzeitlich arbeiteten wir in der Gastronomie als Serviererin und Küchenhilfe in Rösrath-Hoffnungsthal. Dort waren wir nur geringfügig beschäftigt. Anschließend arbeiteten wir wieder in der Werbeagentur, so lange bis unser Arbeitgeber zahlungsunfähig war. Uns fehlten so ca. 2500 DM, die wir nicht bekamen. Dazu hatten wir horende Benzinkosten gehabt.

Im Frühjar 1996 fanden wir, wir waren früher jahrelang gelaufen, einen Arbeitsplatzu in einem Fitneßstudio, der uns aber ohne Nennung von Gründen fristlos gekündigt wurde. Telefonisch konnten wir nur in Erfahrung bringen, daß es einen Anruf von einer Frau gegeben habe, der der Grund für die Kündigung war. Was gesagt wurde, erfuhren wir leider nicht. Mit unserer Arbeit dort habe es nichts zu tun, hieß es.

Das letzte Mal, daß wir einer Beschäftigung nachgingen, war 1999. Auch dort telefonierten wir wieder. Es war eine geringfügige Beschäftigung.

Von Oktober 1999 bis September 2003 studierten wir nach dem Nachholen des Abitur am Abendgymnasium Köln Psychologie. Das war ein Magisterstudiengang mit Rechtswissenschaften und Pädagogik als Nebenfächern. Wir mußten leider krankheitsbedingt das Studium ohne Abschluß vorzeitig beenden, was sicher für einhige von uns sehr schwer zu ertragen war.

Seit Juni 2004 und rückwirkend zum 1. September 2003 sind wir offiziell erwerbsunfähig und beziehen EU-Rente. Zudem sind wir 80 % schwerbehindert. Ob wir jemals wieder einer Arbeit nachgehen können, wissen wir nicht. Es ist eher unwahrscheinlich.

Daher ist unsere Homepage sehr wichtig für uns, so haben wir eine sinnvolle Beschäftigung, die wir uns einteilen können. Und wir können auch unsere Kenntnisse aus unserem Psychologiestudium anwenden und anderen Menschen damit etwas geben.



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Ein wenig über uns



Monika Kreusel

Zuletzt aktualisiert am 10.06.2008

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